Der Kohlenbrenner wollte zuerst Nichts davon hören, aber endlich mußte er das Mädchen doch gehen lassen, und früh am Morgen brach sie mit Anna auf. Nach einem langen Gang kamen sie endlich an den Fuß des Berges, worauf das Schloß stand. Da gebot Rosa dem Mädchen, ihre Rückkehr zu erwarten, und kletterte allein den Berg hinauf. Als sie an das Thor kam, hörte sie Pferde stampfen und Waffen klirren, und sie hatte nur Zeit aus dem Weg zu treten, als der Graf mit seinen Dienern heraus brauste. Er sah das Mädchen scharf an, und Rosa zitterte vor Angst. Das Zittern gefiel ihm, da er den Leuten nur Furcht einflößen wollte, und er hielt sein Pferd plötzlich an und sagte kurz:

„Was hast du in dem Korbe, und warum kommst du hierher?“

„Ich habe Morcheln zu verkaufen!“ erwiderte Rosa schüchtern.

„Oh, das ist gut, gieb sie der Pförtnerin, sie soll sie in die Küche tragen und der Köchin sagen, daß ich sie heut’ Abend essen werde, wenn ich von der Jagd heimkomme.“

Dann brauste der Graf weiter, und Rosa ging zitternd in den Schloßhof. Die Pförtnerin kam ihr entgegen und als Rosa ihr den Befehl des Ritters mitgeteilt, rief sie ungeduldig:

„Nun, dann müßtest du diese zwei Kinder hüten, während ich in die Küche gehe!“

Die Pförtnerin nahm den Korb und ließ Rosa allein, mit zwei kleinen Schreihälsen; aber die Kinder schrieen nicht lange, denn die sanfte Stimme und die Schmeichelreden die sie jetzt hörten, statt ihrer Mutter ewigen Scheltens, überraschten und entzückten sie sehr.

Sie waren ganz glücklich mit Rosa, und als die Pförtnerin, nach einer langen Stunde, endlich zurück kam, war sie erstaunt, ihre Kinder so vergnügt zu finden.

„Da hast du dein Geld und den leeren Korb,“ sagte sie etwas sanfter als zuvor.