„Ich habe ein Bischen zu lange mit der Köchin geplaudert, aber es ist so langweilig, immer hier mit den Kindern zu sein, und alle Hände voll zu thun zu haben. Mein Mann ist Gefangenwärter, darum muß ich auch das Essen für die Gefangenen bereiten. Kennst du kein Bauernmädchen, das mir als Magd dienen könnte? Ich habe schon viele Mägde gehabt, aber sie waren alle so ungeschickt, so träge, so nachlässig, daß ich sie Alle fortschicken mußte. Könntest du nicht selbst kommen? Du gefällst mir, und den Kindern auch, denn ich habe sie noch nie so artig gesehen.“
Rosa, deren Herz laut pochte, als sie hörte, daß der Pförtner auch Gefangenwärter sei, dachte schnell: „Ich will hier als Magd dienen, dann kann ich Etwas von meinem Vater hören und ihn vielleicht auch sehen,“ aber sie sagte der Pförtnerin nur:
„Ich muß zuerst nach Hause gehen, aber wenn man da Nichts dagegen hat, so komme ich morgen wieder, um in Ihren Dienst zu treten.“
„Ja, geh,“ sagte die Pförtnerin, „und sage deinen Eltern, daß obwohl der Lohn nicht groß sein wird, du zu Weihnachten ein neues Kleid bekommen wirst, wenn du recht fleißig bist.“
Rosa ging den Berg hinunter und als sie Anna wieder eingeholt, erzählte sie ihr Alles.
„Sie können der Pförtnerin ja unmöglich dienen, gnädiges Fräulein,“ rief diese erschrocken. „Sie ist ein böses, zankhaftes Weib. Niemand kann es in ihrem Hause aushalten, selbst die stärksten nicht, und Sie sind auch nicht an die Arbeit gewöhnt.“
Rosa aber erwiderte nur, daß sie Alles thun und leiden könne, um ihrem Vater nahe zu sein, und obwohl der Kohlenbrenner ihr auch sagte, daß es sehr gewagt sei, ging sie doch früh am folgenden Morgen in das Schloß, um der Pförtnerin zu dienen.
Die zankhafte Frau war sehr froh, Rosa zu sehen und sagte ziemlich freundlich:
„Nun, du bist recht zeitig gekommen. Sieh, jetzt will ich dir zeigen, wie man die Suppe für die Gefangenen zubereitet.“
Die Frau machte eine dicke, unappetitliche Suppe, goß sie in mehrere Schüsseln, die in einem großen Korbe standen, und sagte dabei, daß sie jetzt so viele Gefangene hätten, weil der Graf kürzlich ein Schloß erobert hätte. Rosa hörte Allem schweigend zu, aber sie hätte laut weinen können, als sie die derbe Kost sah, die man ihrem kranken Vater gab. Als die Suppe fertig war, kam der Pförtner mit seinen Schlüsseln und seiner Laterne und sagte: