„Frau, du [mußt mit] in den Turm. Heute noch gehe ich mit dem Herrn in den Krieg, und er hat befohlen, daß du die Gefangenen besorgen sollst.“
„Das will ich nicht thun! Die Magd kann es thun. Ich fürchte mich in die düsteren Gänge zu gehen. Ich fürchte mich auch vor den Gefangenen. Das Mädchen da, das ich soeben in meinen Dienst genommen, soll das thun,“ erwiderte die Frau.
Der Pförtner sah Rosa prüfend an und sprach:
„Nun, Mädchen, willst du die Gefangenen dreimal täglich besuchen, und ihnen Brot, Suppe und frisches Wasser bringen?“
„Ja, das will ich gern thun,“ sagte Rosa, deren Herz vor Freude laut pochte.
Der Pförtner nahm Schlüssel und Korb, gebot Rosa die Laterne zu tragen und ihm zu folgen, und schritt durch den Hof. Als er an den Turm gekommen, nahm er einen großen Schlüssel, öffnete die eiserne Thüre, machte sie hinter sich wieder zu und sagte:
„Mädchen, diese Thür muß immer verschlossen sein, hörst du?“
Dann ging er die langen, düsteren, hallenden Gänge und Treppen entlang. Bald kam er zu den Kerkern.
„Siehst du, Kind,“ sagte er, „der Mann in diesem Kerker ist ein Mörder. Er ist zwar angekettet, aber er ist doch gefährlich. Öffne nur diese kleine Pforte, setze Schüssel, Brot und Wasser da auf das Brett, und mache schnell wieder zu.“