„Mir geht es ziemlich gut, aber Pförtner, sagt mir doch, habt Ihr noch Nichts von meiner Tochter gehört?“

„Nein, Herr Ritter, gar Nichts. Der Graf meint, sie sei tot, aber vielleicht ist sie doch entkommen, da man noch keine Spur von ihr gefunden. Herr Ritter, heute noch gehe ich in den Krieg. Meine Magd wird Ihnen Ihr Essen bringen.“

Der Ritter sah Rosa an, als er dieses hörte. Er konnte ihr Gesicht nicht deutlich sehen, und das grobe Bauernkleid ließ ihn ein Bauernmädchen darin vermuten. Er sprach gütig:

„Armes Kind, es ist doch traurig, daß ein so junges Geschöpf in diesen düsteren Kerker kommen muß. Hast du keine Eltern?“

Rosa wollte nicht deutlich antworten, da sie doch fürchtete, daß der Vater ihre Stimme erkennen würde, und sie stammelte etwas von einer toten Mutter.

Der Ritter sprach noch einige Worte mit dem Pförtner, und dann gingen sie wieder hinaus. Als er die Thür schloß und die Treppen hinauf stieg, sagte der Pförtner noch einmal:

„Öffne keine andere Thüre, als die des Ritters von Tannenburg.“

Nachdem er das äußere Thor geschlossen, übergab er die Schlüssel der zitternden Rosa, und sagte ernst:

„Hier sind die Schlüssel. Wenn du deine Pflicht nicht gut thust und wenn ich die Gefangenen nicht wohl besorgt finde, so wirst du es büßen müssen. Der Graf hat gesagt, daß die Person, welche die Gefangenen besorgt, für sie verantwortlich sein sollte; so gib Acht!“