Rosa mußte versprechen, die Gefangenen gut zu hüten, ehe sie die Schlüssel übernahm, aber sie konnte ihre Freude fast nicht verhehlen.

Noch an demselben Tage ging der Pförtner mit dem Grafen und dessen Kriegern fort. Die Thore wurden alle geschlossen, die alten Soldaten wurden als Wächter auf die Mauern geschickt, und die schöne, junge Gräfin, ihre Kinder und Diener waren allein im Schlosse.

Rosa wartete ungeduldig bis Mitternacht, wusch sich Hände und Gesicht ab, um die braune Farbe los zu sein, schlich barfuß über den Hof, mit Schlüssel und Laterne und ging ganz allein in den Turm. Da war es so finster und das Schreien und Fluchen der Gefangenen so fürchterlich, daß sie vor Schreck zitterte, dennoch ging sie tapfer vorwärts, öffnete die Thür von ihres Vaters Kerker und trat hinein.

Als der Ritter von Tannenburg das Mädchen allein hereinkommen sah, so in der Mitte der Nacht, fragte er betroffen:

„Was ist es, mein Kind? Brennt es?“

„Nein, ich bin nur gekommen um Ihnen Nachrichten von Ihrer Tochter zu bringen,“ erwiderte Rosa, die ihr Gesicht noch immer verborgen hielt, und ihre Stimme veränderte.

„Oh, sprich schnell!“ rief der Ritter entzückt. „Sage mir, wo ist mein Kind?“

„Hier!“ schluchzte Rosa und umarmte schnell ihren Vater, der fast ohnmächtig wurde.

Nachdem sie einander umarmt und geküßt, und die erste Freude und Überraschung vorbei war, erzählte Rosa ihrem Vater Alles und rief endlich triumphierend: