Aber die Drohung war nicht mehr nötig. Der Graf konnte den Bitten seines Kindes nicht widerstehen und rief gerührt:

„Ja, der Ritter von Tannenburg soll frei sein, und da ich nicht an Großmut zurückbleiben möchte, soll er sein Schloß und seine Reichtümer alle zurückhaben. Kerkermeister, gehen Sie und befreien Sie den Ritter!“

„Nein!“ rief seine Frau, „das soll seine liebende Tochter, das gnädige Fräulein von Tannenburg, selbst thun. Aber zuerst kommen Sie mit mir, mein Kind,“ fügte die Gräfin hinzu.

Sie führte die glückliche Rosa in ihr Gemach, half ihr Gesicht und Hände von der braunen Farbe befreien; zog ihr ein schönes, weißes Atlaskleid an, und nachdem sie so ihres Standes würdig geschmückt war, führte sie sie in den großen Saal, wo alle Ritter über ihre Schönheit erstaunten.

Von dem Grafen begleitet, ging Rosa zum letztenmal in den Kerker, öffnete die Thüre, und rief vor Freude schluchzend:

„Vater, lieber Vater, du bist frei!“

Erst nach einiger Zeit sah sie, daß ihr Vater auch reich angezogen war; und der Graf sagte:

„Mein gnädiges Fräulein, einige Freunde sind hierher gekommen, um Ihren Vater auf seine Erlösung vorzubereiten, denn sie fürchteten, daß die plötzliche Freude ihm schädlich sein würde, da er noch so schwach ist.

„Aber jetzt, Tannenburg,“ fügte er hinzu, „müssen Sie mir verzeihen. Ich bin ein ehrloser Mensch gewesen, aber wenn Sie mich wieder als Freund annehmen wollen, werden Sie sehen, daß ich Sie für Alles entschädigen werde.“