Es war in dieser Kapelle so dunkel, daß Frau von Linden wähnte (dachte), ganz allein zu sein, bis sie ein unterdrücktes Schluchzen hörte.

„Wer ist da?“ rief sie erstaunt.

Das Schluchzen hörte einen Augenblick auf, und eine leise, klägliche Stimme erwiderte schüchtern: „Ich bin es.“

Frau von Linden, die an der Stimme sogleich erkannte, daß es ein Kind war, das so leise geschluchzt hatte, sagte freundlich:

„Komm hierher Kind, und sage mir, warum du so schluchzest.“

Jetzt trat aus dem Dunkel ein kleines Mädchen hervor. Es war ein Kind von ungefähr acht Jahren und obschon etwas ärmlich, doch sehr reinlich gekleidet.

„Nun, Kleine,“ sagte die gute Frau, das Kind bei der Hand nehmend, „erzähle mir jetzt, warum du ganz allein hier bist, und warum du so kläglich weinst. Was [fehlt] dir wohl?“

„Ach,“ seufzte das Kind, „ich weine, denn Vater und Mutter sind beide tot, und meine Verwandten sind alle so arm und haben so große Familien, daß sie sich meiner nicht annehmen können. Morgen muß ich das Haus verlassen, wo ich mit meinen Eltern so glücklich lebte, denn ich habe kein Geld, um die Miete zu bezahlen.“

„Hast du gar keine Freunde?“ fragte die Dame erstaunt.