„Ja, der gute Priester ist mein Freund, er hat mir heute zu essen gegeben, und dann hat er mich hierher geschickt, um Gott um Hülfe zu bitten. Er hat gesagt, daß Gott das Gebet der verwaisten Kinder immer erhört, und daß Er mir sicher helfen werde.“

Die Dame sagte mit Rührung:

„Der gute Priester hat Recht, mein Kind. Komm, zeige mir, wo er wohnt. Ich möchte ihn gerne sprechen.“

Die Dame nahm das Kind bei der Hand und ging mit ihr zum Priester. Er empfing sie sehr freundlich, sagte ihr, daß das Mädchen das Kind ehrbarer Leute sei, und daß es sehr arm und ganz verlassen sei.

„Nun,“ erwiderte die Dame, „da das Kind ohne Mittel und ohne Freunde ist, so will ich mich ihrer [annehmen]. Sie soll bei mir in meinem Landhause wohnen. Ich werde sie in die Schule schicken, sie soll alles lernen, was ein Mädchen wissen sollte, damit sie einmal eine gute Frau und Mutter werden, oder damit sie einst ihr Brot verdienen kann.“

Die gute Dame nahm das verwaiste Kind mit, und hielt Wort. Das Mädchen ging fleißig in die Schule, und als sie größer wurde, lernte sie alles, was eine gute Hausfrau wissen muß.

Die Jahre gingen schnell vorbei, und als das Mädchen zwanzig Jahre alt war, starb ihre Wohlthäterin. Sophie, so hieß das Mädchen, pflegte sie zärtlich bis zu ihrem Tode, und ehe die Dame verschied, sagte sie:

„Sophie, du bist ein treues Mädchen gewesen, und es freut mich, daß du den jungen Gärtner Hans heiraten sollst. Er ist ein guter, fleißiger Mann, und du wirst eine glückliche Frau werden.“

Als die Dame endlich starb, hielt sie ein kleines, hölzernes Kreuz in der Hand, das sonst immer über ihrem Bette gehangen, und das sie sehr gern gehabt hatte.

Nachdem das Begräbnis vorüber war, kamen die Erben alle herbei, und der Advokat nahm das Testament der guten Frau und las es ihnen vor. Die Dame hatte der Waise eine Summe von dreitausend Thalern hinterlassen, und dabei stand auch im Testamente: