„Sophie ist mir eben so lieb, als ob sie meine Tochter wäre. Darum soll sie, nebst der Summe von dreitausend Thalern, die ich ihr hinterlasse, noch etwas als Andenken haben. Sie darf selbst unter allen meinen Habseligkeiten auswählen, was ihr am liebsten ist.“
Die Erben waren sehr entrüstet als sie dieses hörten. Schon die Summe von dreitausend Thalern schien ihnen zu viel. Sie fürchteten, daß die Waise etwas sehr Kostbares wählen würde. Aber, obgleich die Köchin und die anderen Dienstboten ihr rieten, die Diamanten oder die Perlen der verstorbenen Frau zu wählen, sagte die Waise:
„Nein, das will ich nicht thun. Die Dame hat mir schon viel gegeben. Ich möchte die Erben nicht berauben. Der kleinste Gegenstand, den meine Wohlthäterin geliebt, und den ich in ihren Händen gesehen, ist mir viel lieber als Andenken, als etwas so kostbares.“
„Sehen Sie,“ fuhr sie fort, „dieses hölzerne Kreuz möchte ich am allerliebsten haben, denn sie hielt es noch in ihrer Hand, als sie verschied.“
Die Erben waren sehr froh, als die Waise das kleine, hölzerne Kreuz wählte, und da sie alle fürchteten, daß das Mädchen ihre Wahl bereuen würde, holten sie ein Papier herbei und schrieben darauf:
„Als Andenken an meine Wohlthäterin habe ich das hölzerne Kreuz gewählt. Dieses ist mein, und ich werde nie Anspruch auf irgend etwas Anderes machen.“
Dieses Papier mußte Sophie unterzeichnen, und sie that es gern, denn sie war mit dem hölzernen Kreuz ganz zufrieden und verlangte nicht mehr.
Einige Zeit nachher heiratete sie den jungen Gärtner. Es ging ihnen ganz gut, bis er eines Tages von einem Baume herunterfiel. Er war durch diesen Fall schwer verletzt (verwundet), und als er nach einer langen Krankheit wieder aufstehen konnte, fehlte ihm ein Arm und er konnte nicht mehr in dem Garten arbeiten.
Die lange Krankheit hatte Sophiens Ersparnisse verzehrt, und nun sannen sie auf Mittel und Wege, um ihr Brot zu verdienen. Endlich sagte der Mann: