„Siehst du, mein treues Weib (Frau), ich werde nie mehr in dem Garten schaffen (arbeiten) können. Ein kleines Geschäft aber könnte ich noch besorgen. Es ist kein Kaufladen im Dorfe. Wenn wir das Geld, welches dir die selige Frau in ihrem Testament hinterließ dazu brauchen könnten, würde es leicht sein, ein kleines Haus im Dorfe zu mieten, Waaren zu kaufen, und dann könnte ich unser Brot als Kaufmann anstatt als Gärtner verdienen.“
Dieser Vorschlag schien der Frau sehr gut, und sie ging sogleich zu dem Verwalter der verstorbenen Frau, um ihr Geld in Empfang zu nehmen. Der Verwalter aber sagte ihr, daß die selige Frau in ihrem Testamente bestimmt habe, daß das Geld ihr nur übergeben werden sollte, wenn sie fünfundzwanzig Jahre alt geworden.
Als Sophie dieses hörte, war sie sehr traurig, und ging langsam nach Hause, wo sie ihrem Manne alles erzählte. Nach langem Nachdenken sagte er endlich:
„Nun, wir können unterdessen doch nicht verhungern. Vielleicht könnten wir die nötige Summe borgen und sie nächstes Jahr zurückbezahlen, wenn du dein Geld bekommst.“
Der Frau gefiel dieser Plan sehr gut und bald fanden sie einen reichen Nachbarn, der ihnen das Geld gern vorstrecken wollte, und sie versprachen ihm, das Kapital nebst Zinsen im folgenden Jahre zurückzuzahlen.
Jetzt ging alles wieder gut bis sie auf einmal hörten, daß der Sachwalter plötzlich auf und davon gegangen, und daß er alle ihm anvertrauten Gelder mitgenommen hätte. Er war so heimlich fortgegangen, daß man ihn nicht finden konnte, und bald wurde es überall bekannt, daß er ein elender Dieb gewesen und daß er das Geld vieler Leute gestohlen habe.
Bald erreichte die schlimme Nachricht den kleinen Laden, wo Sophie und ihr Mann sich so viele Mühe gegeben, um alles in bester Ordnung zu halten und ihr Brot ehrlicher Weise zu verdienen.
Als diese Nachricht auch dem Manne, der ihnen das Geld geliehen hatte, zu Ohren kam, kam er sogleich in den kleinen Laden und sagte Sophie, wenn sie ihm das Geld, das er ihnen geliehen, nicht sogleich zurückbezahlten, würde er Haus und Waaren in Besitz nehmen, um sich zu entschädigen.
Als er fortgegangen, sahen sich die Eheleute traurig an.