„Liebe Frau, was ist jetzt zu thun?“ rief der Mann in Verzweiflung. „Das geliehene Geld können wir nicht so schnell zurückbezahlen. Der Nachbar will nicht warten, und wir werden mit unseren drei kleinen Kindern aus diesem Hause ziehen müssen. Wir werden alle verhungern, denn ich kann nicht mehr arbeiten. Ich bin nicht stark genug, und mit einem Arme bin ich so gut wie hülflos. Der liebe Gott hat uns sicher vergessen.“
„Ach, lieber Mann, das kann nicht sein! Er vergißt seine Kinder eben so wenig, wie wir die unsrigen. Wir wollen zu Ihm beten. Vielleicht zeigt Er uns einen Ausweg, so daß wir unser Brot ehrlich verdienen können.“
Die Frau ging jetzt in ihr Zimmer, nahm das kleine hölzerne Kreuz, das Andenken an ihre Wohlthäterin, küßte es und dachte:
„Ach, wie leid würde es der guten Frau thun, wenn sie wüßte, wie unglücklich ich jetzt bin?“
Dann ließ sie das kleine Kreuz zu Boden fallen, fiel auf die Kniee und betete inbrünstig. Ihr Herz wurde bald leichter und als sie wieder aufstand, sah sie das Kreuz auf dem Boden liegen, und hob es sorgfältig auf.
Ein Stückchen Holz war im Fallen davon abgebrochen. Als sie es wieder an das Kreuz kleben wollte, sah sie zum erstenmal, daß das Kreuz hohl war, und geöffnet werden konnte.
Als sie es geöffnet, schrie sie in freudiger Überraschung auf, denn im Innern des hölzernen Kreuzes war ein wunderschönes Diamanten-Kreuz versteckt.
Sogleich trug sie dasselbe zu ihrem Manne, der auch sehr darüber erstaunt war. Als sie den Advokaten befragte, ob sie die Edelsteine behalten dürfte, sagte er:
„Gewiß, gute Frau, die Diamanten gehören Ihnen.“