Er trat schnell zu diesem Fenster, zog den Vorhang zurück, und sah eine sehr schöne Prinzessin, die aber so blaß und elend aussah, als ob sie eben aus dem Grabe gestiegen wäre. Der Prinz sah sie eine Zeitlang schweigend an, erbarmte sich ihrer, und rief laut „Diese, und keine Andere, will ich zur Gemahlin, und sollte es mir mein [Leben] kosten!“

Die wunderschöne, blasse Prinzessin wurde rosenrot bei diesen Worten, und sogleich verschwanden alle Bilder. Der Prinz ging schnell die Treppen hinunter und erzählte seinem Vater, wie er den Vorhang von dem Bilde gezogen und wie er die schöne, blasse, leidende Prinzessin am liebsten haben möchte. Der König aber rief traurig:

„Ach, mein Sohn, warum hast du gerade diese blasse, leidende Prinzessin gewählt? Du wirst jetzt große Gefahr laufen, denn die Prinzessin wird von einem Zauberer gefangen gehalten, und Alle, die versuchten, sie zu befreien, sind nie zurückgekommen. Aber da du dein Wort gegeben, mußt du jetzt gehen, und ich hoffe, daß du bald wohlbehalten mit deiner Prinzessin, heimkommen wirst!“

Der Jüngling verabschiedete sich von seinem Vater, und ritt munter fort, um seine schöne Braut zu holen. Er kam bald in einen dichten Wald, wo er einem großen Manne begegnete, der ihm laut zurief:

„Halt, Prinz! nehmen Sie mich in Ihren Dienst. Ich möchte mit Ihnen gehen. Sie werden nie bereuen, daß Sie mich mitnahmen!“

„Wer sind Sie?“ fragte der Prinz kurz, „und was können Sie thun?“

„Ich heiße der Lange, und ich kann mich nach Belieben verlängern. Sehen Sie das Nest, da, auf dem Baume? Ich will es Ihnen holen!“

Der Lange streckte sich höher und höher bis sein Kopf die Bäume überragte, nahm das Nest, wurde plötzlich kleiner und kleiner, und reichte es dem Prinzen.

„Das ist sehr schön!“ sagte der Prinz, „aber Vogelnester nützen mir nicht viel. Ich möchte meinen Weg aus diesem Walde finden!“