Es war ihr schwer, sich von der Taube zu trennen, dennoch gab sie sie ihrer Freundin. Da sagte der Ritter:
„Fräulein Emma, Sie werden die Taube in einen Käfig stecken müssen bis sie Elsa vergessen hat, sonst fliegt sie sogleich wieder hierher zurück.“
Die Freunde trennten sich jetzt und Emma und ihre Mutter gingen nach Hause, wo die Taube in einen Käfig gesteckt wurde. Am folgenden Tage kamen zwei Pilger in das Schloß Hohenburg. Sie hatten lange, braune Röcke mit Kapuzen an, und erzählten viel vom Heiligen Lande, wohin sie, wie sie sagten, eine Pilgerfahrt gemacht.
Emma und ihre Mutter hatten viele Freude an ihren Erzählungen, und als sie am folgenden Morgen wieder weiter zogen, sagte die Dame:
„Da Sie nach Thüringen reisen, werden Sie gegen Abend im Schlosse Falkenburg ankommen. Da werden Sie übernachten; bitte, grüßen Sie den Ritter und seine Gemahlin von mir.“
„Ja,“ rief Emma, „bitte grüßen Sie auch das Fräulein Elsa, und sagen Sie ihr, daß die Taube sehr wohl ist.“
Die Pilger versprachen, der Familie von Falkenburg die Grüße zu bestellen, und da sie sagten, daß sie den Weg nach dem Schlosse nicht kannten, schickte die gute Frau von Hohenburg einen jungen Diener mit, um ihnen den Weg dahin zu weisen.
Dieser junge Diener war ein Italiener, sprach aber gut Deutsch. Der Ritter von Hohenburg hatte ihn erzogen, weil seine Eltern beide tot waren. Die Pilger dachten, der Diener verstehe nur Deutsch und während sie ihm folgten, fingen sie an, Italienisch zu sprechen.