Er brauchte den Befehl nicht mehr zu wiederholen. Der Mann schlug tüchtig! Die Ohrfeigen gingen jetzt um den Tisch herum, so schnell wie möglich. Nachdem die Ohrfeigen mehrmals die Runde gemacht hatten, rief der König:

„Halt! das ist jetzt der Ohrfeigen genug für heute. Aber wenn ihr Männer Sonntag morgens hier in dem Wirtshause sitzt, anstatt in die Kirche zu gehen, sollt Ihr etwas noch schlimmers kriegen als Ohrfeigen.“

Der König ging hinaus. Die Bauern folgten ihm sogleich und gingen jetzt jeden Sonntag pünktlich in die Kirche und der Priester hatte nie mehr Ursache zum Klagen.

13. Rübezahl.

Vor vielen tausend Jahren hauste ein mächtiger Geist in dem Riesengebirge. Die Gnomen und Kobolde waren seine Unterthanen und diese kleinen Leute waren immer sehr beschäftigt, Gold, Silber und Edelsteine zu suchen und in den schönen unterirdischen Palast des Berggeistes zu tragen.

Eines Tages, nachdem er fünf hundert Jahre in dem Berge geblieben war, ohne ein einziges Mal die Oberfläche der Erde besucht zu haben, fiel ihm ein zu sehen, was auf der Erde vorging.

Der Berggeist bestieg die höchste Kuppe des Gebirges und schaute hinab auf das schöne Land. Während seiner langen Abwesenheit hatte sich die Welt sehr verändert.

Die Wälder waren nicht mehr so dicht, Straßen liefen nach allen Richtungen, nach den Dörfern, die im Thale standen, und nach den prächtigen Schlössern, die man ringsum auf den Höhen erblickte. Statt einer Wüste, wo Wolf und Bär hausten, sah man jetzt wogende Kornfelder und blühende Gärten.

„Die Erde sieht nicht mehr aus wie ehemals!“ rief der Berggeist erstaunt. „Seitdem ich zuletzt hier oben war, hat sich alles sehr verändert! Ich muß doch einmal in das Thal gehen, um das Thun und Treiben der Menschen näher zu betrachten.“

So sprechend, verwandelte sich der Berggeist in die Gestalt eines Jünglings, und ging den Berg hinunter. Er beschaute Dörfer und Felder, und kam endlich in einen prächtigen Garten, wo er das Lachen fröhlicher Mädchen vernahm.