„Ich bin der Beherrscher des Riesengebirges und du befindest dich in meinem unterirdischen Palaste. Hier sollst du als Königin herrschen.“

Emma hörte diesen Worten schweigend zu, und als sie bemerkte, wie demütig der Berggeist vor ihr kniete, fürchtete sie sich gar nicht mehr, und beschloß, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, bis sie Gelegenheit finden würde, sich aus der Gewalt des Geistes zu befreien.

Ihr Schweigen beunruhigte den Berggeist, doch schlug er ihr vor, die Schätze seines Reiches zu beschauen. Das gefiel der Jungfrau, und sie begleitete den Geist durch alle Zimmer und Säle des Schlosses, und bewunderte die aufgehäuften Edelsteine und die glänzenden Metalle, welche die Kobolde und Gnomen eifrig zu schmelzen beschäftigt waren.

Eine Zeitlang fand Emma Vergnügen daran, die Herrlichkeiten dieses unterirdischen Reiches zu bewundern, aber endlich wurde ihr die Zeit lang.

Als der Berggeist einmal in ihr Gemach trat, fand er sie in Thränen. Er blieb einen Augenblick still stehen, dann fiel er auf die Kniee vor der weinenden Schönen, und rief verzweifelnd:

„Schöne Jungfrau, was fehlt dir? Hat dich Jemand beleidigt? Hast du einen Wunsch, so sollst du ihn erfüllt sehen, und koste es mir die Hälfte meines Reiches! Gebiete nur, ich stehe zu deinem Dienste bereit.“

„Dann führe mich wieder nach meines Vaters Schloß,“ erwiderte Emma, „und gieb mich meinen Eltern und Gespielinnen zurück. Ich langweile mich zu Tode hier in deinem unterirdischen Reiche, wo ich außer dir keine menschliche Gesellschaft habe.“

„Ist das der Grund deiner Thränen?“ rief der Berggeist aufspringend. „Ich kann dir deine Eltern und deine Heimat nicht zurückgeben, denn ich kann mich nicht mehr von dir trennen. Aber wenn du dich langweilst, und dich nach der Gesellschaft deiner Gespielinnen sehnst, soll dein Wunsch erfüllt werden. Warte nur, ich bin gleich wieder da.“

Der Geist ging hinaus auf das Feld, zog einen Korb voll Rüben aus, und brachte sie, nebst einem Zauberstäbchen, der schönen Prinzessin.

„Sieh her!“ rief er fröhlich. „In diesem Korbe findest du alles, was du begehrst.“