Zuerst wurde die Jungfrau sehr zornig, aber der Geist erklärte ihr, daß sie die Rüben nur mit dem Zauberstäbchen anzurühren brauche, einen Namen aussprechend, so würden die Gemüse sogleich in Menschen verwandelt werden.

Der Prinzessin gefiel dieser Gedanke sehr, sie nahm das Zauberstäbchen zur Hand, und im Nu verschwanden die Rüben und an ihrer Stelle erblickte Emma ihre geliebte Freundin Brunhilde, alle ihre anderen Gespielinnen und zuletzt sogar ihren Hund und ihre Katze.

Jetzt lachte Emma wieder fröhlich, und das Leben im Berge war ihr viel erträglicher als zuvor. Nach einiger Zeit aber bemerkte die schöne junge Herrin, daß ihre Gefährtinnen ihre frischen Farben allmählig verloren, und daß sie immer magerer und schwächer wurden. Emma fürchtete, daß sie krank seien, aber sie versicherten alle, daß sie sich sehr wohl befänden.

Eines Tages aber, als die Prinzessin aus ihrem Gemache kam, sah sie, daß die Gestalten ihrer Freundinnen so hinfällig waren, daß sie vor Mitleid in Thränen ausbrach.

Sie lief schnell zum Berggeist, dem sie die heftigsten Vorwürfe über seine Betrügerei machte. Der Berggeist hörte schweigend zu, aber als die Prinzessin mit ihren Vorwürfen zu Ende war, sagte er sanft:

„Schöne Prinzessin, ich kann es leider nicht verhindern, daß die Abbilder deiner Gefährtinnen allmählich sterben. Siehst du, es sind nur Abbilder, und so lange noch Saft und Kraft in den Rüben war, konnten sie frisch und lebensvoll bleiben.

„Jetzt aber sind die Säfte vertrocknet und deine Gefährtinnen können nicht mehr lange leben. Doch warum solltest du deine schönen Augen deßhalb ausweinen. Verwandele sie nur mit deinem Zauberstäbchen wieder zu Rüben, und wirf sie weg. Dann werde ich dir frische Rüben bringen, und du kannst sie nach Belieben in Menschen verwandeln.“

Diese Worte ermunterten Emma sehr; sie kehrte in ihr Gemach zurück, und sobald sie die welken Gestalten der Gefährtinnen mit dem Zauberstäbchen berührt, verschwanden sie, und es blieben nichts als vertrocknete Rüben auf dem Boden liegen.

Diese wurden ohne Zögern zum Fenster hinausgeworfen, und Emma wartete nun mit Ungeduld auf den Geist, der ihr versprochen, frische Rüben herbeizuschaffen.

Endlich kam er und sagte verlegen, daß er vergebens frische Rüben gesucht. Es waren keine mehr zu finden, denn der kalte Winter war gekommen, und die Erde starrte in Eis und Schnee.