Als die Prinzessin diese Nachricht vernahm, wurde sie sehr zornig, und machte dem Berggeiste so heftige Vorwürfe, daß er ihr versprechen mußte, so schnell wie möglich frische Rüben wachsen zu machen.

Der arme Berggeist hatte jetzt alle Hände voll zu thun. Er rief die Gnomen und Kobolde, hieß sie Schnee und Eis von einem Felde wegräumen, und große Feuer darunter anzünden, damit der Boden durchwärmt würde.

Während die Kobolde und Gnomen diese Befehle ausführten, ging der Berggeist selbst in der Gestalt eines Bauers in die nächste Stadt, wo er einen großen Sack voll Rübensamen einkaufte.

Der Rübensamen wurde auf das Eis und Schnee befreiten Feld gesät, und da die Gnomen die unterirdischen Feuer Tag und Nacht aufschürten, fingen die Rüben bald an zu wachsen.

Emma wurde jeden Tag ungeduldiger, und als die ersten kleinen Rüben wuchsen, zog der Berggeist einige heraus, um sie der Prinzessin zu zeigen. Emma sah sie etwas verächtlich an und rief:

„Ach! wenn es so langsam geht, werde ich vor Kummer und Einsamkeit sterben müssen, ehe die Rüben groß genug sind, um mir von Nutzen zu sein.“

„Nein,“ versicherte der Berggeist, „es wird nicht lange dauern und du hast Rüben die Fülle. Da sind schon einige Kleine.“

Er eilte wieder hinaus um die unterirdischen Feuer anzuschüren. Unterdessen blieb die Prinzessin in ihrem Gemache und dachte traurig an ihren Verlobten, den Prinzen Ratibor. Sie hätte ihm gar gerne einen Boten geschickt, um ihm zu sagen, daß sie in dem unterirdischen Palaste gefangen sei, und daß er schnell kommen solle, um sie zu befreien.

Als sie so nachsann und ihre Augen auf die winzigen Rüben fielen, kam ihr ein plötzlicher Gedanke. Sie holte den Zauberstab herbei, berührte eine Rübe, verwandelte sie in eine Biene und flüsterte ihr zu:

„Fliege hin, kleine Biene, zu meinem Verlobten, und sage ihm, daß Emma von dem Gnomenkönig gefangen ist. Fliege schnell, und wenn du in drei Tagen nicht zurück bist, so werde ich glauben, daß dich ein Unglück getroffen hat.“