Johannes meinte sogleich, daß sie die alte Frau nach Hause tragen wollten, wo sie wohnte, aber der Fremde machte sein Ränzel auf, nahm eine Büchse hervor und sagte, daß er hier eine Salbe habe, welche sogleich ihr Bein wieder gesund und kräftig machen würde, so daß sie selbst nach Hause gehen könne, und zwar, als ob sie nie das Bein gebrochen hätte. Allein dafür verlange er auch, daß sie ihm die drei Ruten schenke, die sie in ihrer Schürze habe.
„Das wäre gut bezahlt!“ sagte die Alte und nickte ganz eigen mit dem Kopfe. Sie wollte die Ruten nicht gern hergeben, aber es war auch nicht angenehm, mit gebrochenem Beine dazuliegen. So gab sie ihm denn die Ruten, und sowie er nur die Salbe auf das Bein gerieben hatte, erhob sich auch die alte Mutter und ging viel besser denn zuvor. Solches konnte die Salbe bewirken. Aber die war auch nicht in der Apotheke zu haben.
„Was willst du mit den Ruten?“ fragte Johannes nun seinen Reisekameraden.
„Das sind drei schöne Kräuterbesen,“ sagte der, „die liebe ich sehr, denn ich bin ein närrischer Patron!“
Dann gingen sie noch ein gutes Stück.
„Sieh, wie der Himmel sich umzieht,“ sagte Johannes und zeigte geradeaus. „Das sind schrecklich dicke Wolken!“
„Nein,“ sagte der Reisekamerad, „das sind keine Wolken, das sind Berge — die herrlichen großen Berge, wo man hinauf über die Wolken und in die frische Luft gelangt! Glaube mir, da ist es herrlich! Morgen sind wir sicher weit in der Welt.“
Das war aber nicht so nahe, wie es aussah, sie hatten einen ganzen Tag zu gehen, bevor sie die Berge erreichten, wo die schwarzen Wälder gegen den Himmel aufwuchsen und wo es Steine gab, fast so groß als eine große Stadt. Das mochte wahrlich eine schwere Anstrengung werden, da hinüberzukommen, aber darum gingen auch Johannes und sein Reisekamerad in das Wirtshaus hinein, um sich gut auszuruhen und Kräfte zum morgenden Marsche zu sammeln.