Ihr Schiff hat einen Leck gesprungen, sagte Gustchen lachend, darf ich mit einem gespickten Bonnet[11] aufwarten, oder am Ende ist wohl gar ein Pfröpfchen nöthig?[12]

Seyn Sie ein mitleidiger Lotsen, erwiederte der junge Mexikaner bittend: und bringen Sie mich in die Docke[13]; Sie kennen das Fahrwasser hier, und die Untiefen und Bänke; meine Anker und Taue sind klar[14] und meine Pässe in beßter Ordnung.

Ich verstehe, mein Freund, entgegnete Gustchen schalkhaft: behalten Sie aber nur die freundlich leuchtende Blüse da vorn an der Spitze unserer Polonaisenzunge, hübsch im Auge, und Sie werden alle Bänke und Klippen glücklich umfahren.

Während dieses sinnigen Zwiesprachs, in dem Gustchen, Hulda’s innern Werth, des breiteren auseinandersetzte, fragte diese der Vater, was sie denn zu dem englisirten Casperchen gesagt habe, und zog über den unausstehlichen Gast waidlich her; nein, fuhr er fort und tanzte neben der Horchenden plaudernd weiter: nein, da lobe ich mir den jungen Mexikaner; das ist ein flottes Kerlchen; wie eine Tanne gewachsen, Licht im Kopfe, Gesundheit auf den Wangen, Kraft im Arme, und Courage in der Brust. Im vierzehnten Jahre schon hat er als Cadett bei der Marine gedient, und zwei Seegefechte mitgemacht; Huldchen, das will was sagen; so eine Geschichte ist wahrhaftig nicht spaßhaft; ringsum Tod, und nirgends Rettung — erlauben Sie! mein Sopha ist mir lieber; so viel Haare der Mensch auch auf den Zähnen hat, aber davon spricht er doch mit allem Respekt. Vom Despensero[15] hat er sich nach und nach bis zum Teniente[16] hinauf geschwungen, und nach dem Frieden als Capitain seinen Abschied genommen; seitdem hat er den Geschäften seines früher schon verstorbenen Vaters sich selbst unterzogen und, Huldchen, die gehen in das Ganze; solcher Schiffe, als er hier im Hafen liegen hat, besitzt er netto ein Dutzend, und was kosten die, und was bringen die ein! Huldchen, der Mensch scheint zum Anker gehen zu wollen, wird — er tippte ihr schelmisch-lächelnd auf das Herz — wird hier der Flügel[17] wohl Grund fassen?

Herr Direktor, entgegnete Hulda, im dunkelsten Purpur erglühend, und haschte mit Hast nach einem andern Gegenstande des Gesprächs: wir tanzen jetzt vor, und sollen nicht plaudern.

Lassen Sie, Huldchen, entgegnete der Tänzer mit gutmüthigem Spötteln: die andern kommen schon nach, ich weiß, was ich weiß; umsonst klettert so ein seefüßiges[18] Eichhörnchen nicht auf den Mars, umsonst bläs’t der blöde Schäfer nicht stundenlang die zartesten Lieder seiner Leiden, auf der schmachtenden Flöte; umsonst legt er sich am hellen lichten Tage nicht auf die Astronomie! Huldchen erlauben Sie mir aber nun auch bei Ihnen ein kleines Lothchen zu werfen.[19]

Unsere Polonaise nimmt kein Ende, sagte Hulda, — halb todt vor Schrecken, daß der Direktor, Gott weiß woher, des Mexikaners gestrige Faseleien kannte, als hätte er sie selbst mit angesehen, — wir werden aufhören müssen.

Gleich, erwiederte der Direktor: sobald Sie mir gesagt haben, wie es mit Ihrem Ankergrunde aussieht; und sollten wir bis morgen früh hier herum polonisiren, eher lasse ich Sie nicht los.

Fürchten Sie, auf scharfen[20] oder auf Wellgrund[21] zu stoßen? fragte Hulda lächelnd, und verbeugte sich, um den Tanz zu beendigen und dem weitern Examen zu entgehen; da folgten denn die übrigen Tanzenden dem Signale des Schlusses, und Gustchen kam als treuer Lotse, und führte den blanken See-Capitain durch das Gewirre der aufgelös’ten Tanzpaare, und stellte ihn der Lieblichen vor, mit der Bemerkung, daß er gekommen, um sie um den nächsten Walzer zu bitten.