Hulda reichte dem Sprecher, dem die hellen Zähren über die schwarzen Backen rollten, die weiße Hand, und beantwortete seine herzliche Rede, in recht geläufigem Spanisch.
Der alte Admiralitätrath dachte, es wäre Pfingsten, so hatte sich der Geist des Herrn über sein gelehriges Töchterlein ergossen. Es war aber der heilige Geist der Liebe, der das holde Mädchen, das im Spanischen früher wohl hinlänglichen Unterricht, aber wenige Uebung gehabt hatte, jetzt ohne Anstoß und Furcht in fremder Zunge reden ließ, daß die ganze Mannschaft der Antoinette darob laut entzückt war.
Der blendend weiße Engel, das himmlische Kind der Sonne und des Mondes, versprach ihnen, ihr und der Ihrigen Schutzgeist zu seyn; ihre Frauen und ihre Kinder begrüßte sie in der Ferne, als ihre Pfleglinge; ihr Wohlstand solle das Ziel ihrer Wünsche werden, und im Zauberergusse ihres glühenden Gefühls, gelobte sie ihnen und allen ihren Familien, mit dem Beistande ihres Gottes, und von Don Alonso’s menschenfreundlicher Güte unterstützt, ihr zeitliches Glück nach Kräften begründen zu wollen.
Sämmtliche Neger drängten sich, von den Reizen des schneezarten Seraphs, und dessen einfacher Rede tief ergriffen, um sie herum, und küßten ihr den Saum ihres Gewandes, und schworen ihr unaufgefordert Liebe, Treue und Gehorsam. Alonso aber, hingerissen von dem Entzücken seiner ehrlichen Neger, und bezaubert von der, in ihrer Art einzigen Gruppe der schwarzen Figuren, um seine schlanke Lilie, schenkte mit feierlichen Worten, zum ewigen Andenken des heutigen Festes, den Sclaven ihre Freiheit, und Hulda mischte in den Jubel der Freigelassenen, ihren herzlichen Dank, und betheuerte dem edlen Menschen, daß er ihr kein erfreulicheres Brautgeschenk hätte ersinnen können.
Jetzt ging es zur Tafel, und was beide Welten, und das Meer und die Erde dem leckern Gaum zu bieten nur vermochten, das war mit verschwenderischer Pracht hier aufgetischt. So gegessen und getrunken war in der ehrsamen Hafenstadt, seit der Legung ihres ersten Grundsteins, nicht geworden, und alle Gäste versicherten einstimmig, daß Capitain Mantequilla der vortrefflichste Mensch unter der Sonne sey. Die Seeluft macht durstig; wenigstens leerte man alle Flaschen des köstlichen Weins, so daß viele Gäste, die rank[44] worden waren und übervolle Ladung hatten, das Wasser des ganzen Binnenhafens, für lauter Champagner ansahen, andere den großen Mastbaum, als ihren dicksten Freund, inbrünstiglich umarmten, und andere wieder, in der Weinrührung, so windelweich wurden, daß sie in das Besahnsegel, heimlicher Weise Thränen der zärtlichsten Freundschaft weinten. Alonso hatte den Nachtisch mit lauter amerikanischen Früchten besetzen lassen; Aepfel von Gili, von der Größe eines Menschenkopfs; sechszehnlöthige Pfirsichen von Valparayso und Mendoza; zwölfpfündige Weintrauben von Talca, Vanille von Paraguay, Pisangäpfel, Pomeranzen und Limonen, und zwanzig andere saftreiche und kühlende Obstarten; jetzt aber zu guter Letzt, credenzte er den feurigsten Liqueurwein seines Vaterlandes, den kostbaren Rebensaft von Passo del Norte.[45] Der brachte mit seinem dunkelflüssigen Golde alle gute Geister in Aufruhr, und Alles erklärte, mit tausend Freuden dahin zu gehen, wo dieses Götterblut flösse. Alonso stand, vom rauschenden Gewühl der Gäste entfernt, mit Hulda vorn am Bratspill, hielt die Glückliche im Arme, und fragte scherzend: ob er die Anker lichten, und mit der ganzen Gesellschaft, wie sie hier wäre, in die neue Welt segeln solle?
Ich bin wohl bereit, entgegnete Hulda mit bräutlicher Liebe, und schmiegte sich dichter an den Mann, der sie zweitausend Meilen weit, über das Meer führen wollte, und an dem sie sich fest halten sollte in allen Stürmen des Lebens: die alle hier aber mag ich nicht mitnehmen. Mit Dir allein, Alonso, will ich seyn; an Deiner Seite bedarf ich keines Menschen. Dir will ich folgen, wohin Du willst. Auf Deinem Eigenthume, hier auf Deinem Schiffe, auf dem Dein kühner Arm mich durch des Meeres wilde Wogen, und durch der Winde grausende Gewalt hinüber führen will, in Deines Vaterlandes weite Ferne, hier laß mich Liebe Dir, und Treue schwören. Dein menschlich fühlend Herz, gab Deinen armen Negern das höchste Gut, die Freiheit. Mir kann es Höheres nicht geben, als sich selbst. Schwöre mir Alonso Deine Liebe, und auf Dein Herz will ich meine Rechte legen, und Gott der Herr soll meinen Eid der Treue hören. Ihr glaubig frommer Blick flog auf zu dem, den sie zum Zeugen ihres Schwures gefordert hatte, da schwebte am Wolkenhimmel — auf derselben Stelle — sie schrak zurück, und barg das geisterbleiche Antlitz an Don Alonso’s Brust.
Was ist Dir, Hulda? fragte dieser erstaunt; sie aber schauerte kalt in einander, und wieß, ohne aufzusehen, nach dem Abendroth, und fragte: siehst Du nichts?
Dort, erwiederte Alonso lächelnd: die Gottheit meiner Schwarzen, schließt dort ihr müdes Auge, und zieht sich vor ihr Lager den Wolkenvorhang lauschig zu; mit Gold hat sie die Zipfel all gesäumt; sie macht das stets recht zierlich; und rechts am Bette steht ein Baum, ein blühend schöner Bananas.
Ein Baum? fuhr Hulda ängstlich auf! Ein Kreuz, Alonso, ist’s. Ein hohes, langes Kreuz — und dicht daneben liegt — mein Heiland und mein Gott — am Stamme des Kreuzes betet meine Mutter —