Hulda kniete neben dem Bette nieder, und küßte ihre Hand, und fragte leise, ob Mütterchen noch böse sey.

Sie schwieg und lächelte, und eine stille Thräne zitterte ihr im halb erloschenen Auge.

Der Vater benutzte die in ihrem Innern vorgehende mildere Stimmung, und erzählte, daß der alte Linsing, der recht geläufig spanisch spreche, sich mit dem Steuermann und dem Guardian, so wie mit einigen Matrosen auf der Antoinette unterhalten, und sie, hinsichtlich der Vermögenslage ihres Capitains, recht umständlich über dieß und jenes ausgefragt, daß aber, nach dem was sie darüber hätten fallen lassen, Alonso eher zu wenig, als zu viel davon gesagt habe. Er kann, setzte er hinzu, weil er bemerkt hatte, daß die Idee von Alonso’s hiesiger Niederlassung, der Mutter vorzüglich zusagte: mit seinen funfzehn Millionen hier leben, wie ein Fürst.

Und meine Hulda liebt den fremden Mann? fragte die Mutter mit mildem Worte.

Wie keinen andern, lispelte Hulda leise, und bog sich auf der Mutter Hand herab.

Ich werde, versetzte die Mutter mit einem Tone, als wolle sie Hulda und den Vater überzeugen, daß beide sich in ihr geirrt hatten: ich werde meines Kindes Glück nicht stören. Ich habe zwar geglaubt, daß der, den ich im Stillen erwählte, auch Hulda werde wohlgefallen, doch, wenn das nicht soll seyn, kann ich mich gern fügen. Ist das, was von Alonso’s fabelhaftem Reichthum Ihr erzählt, zur Hälfte nur gegründet, und ist er meines Kindes Liebe werth, und kann er meinen Wunsch erfüllen, und seinen Wohnplatz bald, auf immer her verlegen! so kenne ich meine Mutterpflicht, und werde ihr nichts schuldig bleiben. Mit Freuden opfere ich dann jene kleine Grille, und segne Euren Bund.

Hulda traute ihrem Ohre kaum; sie umschlang die zärtliche Mutter, und bedeckte ihre bleiche Wange mit den Küssen der kindlichsten Liebe. Noch danke nicht, mein Kind, sagte die Mutter freundlich: erst wünsche ich den Mann zu sehen, dem es gelang, dieß reine Herz so schnell für sich zu gewinnen; doch — jetzt nichts, nichts mehr davon. Ihr wißt, ich liebe nicht viel Worte.

Da eilte Hulda von dannen und flog in den Garten, um dem vor Freude und Entzücken fast zerspringenden Herzen Luft zu machen. So rasch, so leicht der Mutter Sinn zu wenden, hatte sie sich nicht gedacht. Die Schickung wollte alles so; der Finger dessen, der das Herz des Menschen lenkt, ließ sich hier nicht verkennen. Den ganzen Tag war sie noch nicht auf dem Balkon gewesen, und hatte es Alonso doch versprochen! Ein wenig mußte sie hinauf, und kaum, als sie sich sehen ließ, stand, wie durch einen Zauberschlag, das ganze Schiff, vom Wasserspiegel bis zum Topp, so herrlich groß beleuchtet — ganz oben — höher noch als sie, die Sonne und der Mond — der Mexikaner sanfte Götter! verschwunden war am schwarzen Himmel das Kreuz und alle dräuende Gestalten. Nur Jauchzen hörte sie vom Schiff herauf und laute Freude, und mit der Liebe glücklichstem Entzücken warf sie dem schönen Mann, der beide Arme ihr entgegen breitete, die süßesten der Küsse zu.

Er kam den folgenden Morgen bei früher Tageszeit, hörte von Hulda und dem Vater, wie die Sachen sich unterdessen gestaltet hatten, und welche Wünsche ihm würden eröffnet werden, und trat, in beider Mitte, in das Zimmer der Mutter.