Ein Fieberblitz zuckte dieser durch alle Glieder, als sie seiner ansichtig ward; sie schrie laut auf und verhüllte das Gesicht mit ihrem Tuche, als hätte sie ein Gespenst gesehen.
Der Capitain Don Mantequila, hob der Vater, wegen dieses sonderbaren Auftritts, sehr verlegen an, und wollte ihr Alonso vorstellen. Sie aber rief: um Gotteswillen weg, weg — das ist sein Gesicht — das ist er selbst. Warum — ich frage Dich furchtbare Allmacht, warum mir hier, am Rande des Grabes, noch diese ungeheure Qual! —
Antoinette, sagte der Vater höchlich bestürzt: was ist Dir? Mütterchen, rief Hulda, und stürzte vor ihr Bette auf die Knie nieder: um Gotteswillen sprich — was hast Du für ein böses Traumgesicht?
Laßt mich sterben! tödtet mich! macht meinem entsetzlichen Leben ein Ende! entgegnete die Mutter aus schwer gepreßter Brust, und rang die Hände mit abgewendetem Gesicht — das, das soll Hulda’s Gatte seyn? Ein Teufel ist es, den die Hölle ausgespien! Ich habe ihm geflucht! Sie richtete sich in die Höhe, die Augen rollten funkelnd ihr im Kopfe, die bleichen Wangen brannten dunkelroth, und krampfhaft bebten ihr die blassen Lippen — Es ist die letzte Stunde meines Lebens! des Todes Schauer rieseln kalt mir durch die Seele — die Rache Gottes führt Dich Sünder zum Gericht. Ich fluche dreimal Dir — Fluch, Fluch, Fluch, Dir schauderhaftem Ungeheuer! —
Um Jesus Christi willen, Mutter! schrie Hulda außer sich, und faßte die drohende Rechte der Schrecklichen, die vor ihr grausend lag, wie jenes Wolkenbild am Himmel.
Der Mutter aber war der Athem ausgegangen — der Tod schlug grinsend seine kalten Arme um die sichere Beute — die Pulse stockten, und wie das letzte Gift des unversöhnlichsten Ingrimms, so trat ihr der weiße Schaum auf die zuckenden Lippen. —
Alonso schwankte vom Vater begleitet lautlos zur Thüre hinaus.
Der Mutter brechendes Auge suchte ihn, und da es ihn nicht mehr fand, ward sie ruhiger. — Sie athmete schwer. — Sie seufzte tief — eine Riesenlast lag ihr auf dem Herzen. Sie hatte aber nicht die Kraft mehr, sich sie abzuwälzen. Nur abgebrochene Worte, die kaum mehr verständlich waren, konnte sie hervorbringen.
Sie faßte Hulda’s Hand, und drückte sie heftig in die ihrigen. Mit höchster Anstrengung sammelte sie den Rest ihrer Kräfte, und sprach in kurzen Sätzen, halb laut — Die letzte Bitte Deiner Mutter! schwöre mir, ihm nimmer zu gehören —
Du bist krank, meine Mutter, sagte Hulda weinend: Deine Phantasie —