Linsing ließ sich an das Land setzen, und Alonso stand wie ein Wahnsinniger, mit starrem Blicke nach dem Balkon gerichtet.
Weiter und weiter trieb der Wind die Antoinette hinaus, dem unermeßlichen Weltmeere zu — Hulda erschien nicht — Alonso’s Kräfte schwanden. Die starke Eiche brach, wie mürbes Rohr, zusammen. Er stieß der bittersten Verzweiflung lauten Schrei aus der zerrissenen Brust, und stürzte halb todt auf das Verdeck; da eilten seine treuen Neger schnell herbei, und trugen ihren Herrn erstarrt in die Kajütte.
Wer mahlt der armen Hulda namenlosen Schmerz, als sie erwachte. Die Mutter lag entseelt vor ihr im Bette. Das Herz, es schlug nicht mehr, kein Athemzug — das starre Auge hatte nicht mehr Leben, vom bittern Todeskampf war das Gesicht entstellt — der Fluch — es war, als hätte sie ihn nicht zurück genommen, als wäre sie mit ihm zur Unterwelt gefahren.
Des Kindes Angstgeschrei rief den Vater und die Bedienung herbei. Auch der Arzt kam. Alle Mittel, des Todes Macht zu bannen, blieben erfolglos.
Hulda konnte nicht bleiben; das furchtbar zürnende Gesicht der — mein Jesus, rief sie laut: ich will ja, Mutter, Deinen Willen thun, nur zürne mir im Tode nicht! Ich war Dein liebes Kind ja immer, und Gott wird Kraft mir geben, daß ich — O Mutter, Mutter, höre noch aus Deiner fernen Welt auf Deines Kindes banges Flehen — geh’ nicht mit diesem Groll in Deine stille Gruft.
Der Vater bat weinend die Umstehenden, Hulda auf ihr Zimmer zu bringen. Bete mein Kind, sagte er, ihr ängstliches Zagen beschwichtigend: auf Deinen Knieen um die Ruhe der Verklärten. Alles meines Bestrebens ungeachtet, hat ihr das Leben der Freuden wenig nur geboten. Sie nannte oft den Tod nur ihren einzigen Freund. Sein sanfter Schlaf möge ihr die Erquickung schenken, die sie hier nirgends finden konnte, und jenseits, wo uns kein Kummer trüben soll und wo wir klarer schauen werden, wird sich vielleicht auch mir des Trübsinns Grund eröffnen, der überall die Rosen ihres Lebens bleichte.
Hulda, in Thränen der kindlichsten Wehmuth zerfließend, lag in ihrem Zimmer, vor ihrem Gott gebeugt, als der alte Linsing eintrat, die brennende Liebe ihr reichte, Alonso’s Scheidekuß ihr auf die Lippen drückte, und ihre vorhin geäußerte, über das plötzliche Verscheiden der Mutter aber wieder entschwundene Ahnung von Alonsos Abreise, durch die einfachen, im Munde des tief gerührten Mannes kaum vernehmbaren Worte: Er ist fort! bestätigte.