Außer dem Adel und der Geistlichkeit beanspruchte der staatserhaltende Militärstand auf der Bühne besondere Schonung wegen des »point d'honneur«. Die Uniformen mußten »ideal« sein, niemals »kennbaren inländischen Regimentern« angehören, und »höhere Oberoffiziere«, überhaupt »Männer gesetzten Alters«, durften nie »Helden verliebter Streiche und anderer Ausgelassenheiten« sein. Mit den jüngeren Leutnants nahm man es offenbar nicht so genau. Die nach dem Alter und seiner Leistungsfähigkeit abgestufte Moral ist eine besonders köstliche Blüte dieser Zensurbürokratie. Vor allem aber durfte nichts vorkommen, was »den gemeinen Mann vom Militärdienst abschrecken könnte oder es müßte nach Umständen zureichend widerlegt werden«!

Der Verfasser dieser Denkschrift, Hägelin, besaß eine fast abergläubische Furcht vor der Wirkung einer Anstalt, der er doch selbst fast seine ganze Lebensarbeit gewidmet hat, und er gab ihr oft unfreiwillig komischen Ausdruck. »Das Theater«, sagt er einmal, »ist das wahre vehiculum, wodurch die Modephilosophie ihre Grundsätze in Umlauf zu bringen sucht, denn ihre Absicht ist Verminderung der Kirchen und Vermehrung der Theater, wenn auch das Kammergut dieser oder jener Stadt dadurch leiden müßte«!

»Es lebe die – Fröhlichkeit!«

In der Oper »Don Juan« waren seit der Französischen Revolution die Verse:

Es lebe die Freiheit,

Die Freiheit soll leben!

auf allen österreichischen Bühnen von der Zensur verpönt; nur die genehmigte Variante durfte gesungen werden:

Es lebe die Fröhlichkeit,

Die Fröhlichkeit soll leben!