Die schöne Luise.
Pius Alexander Wolffs Schauspiel »Preciosa« wurde 1812 in Berlin verboten, weil statt harmloser Zigeunerromantik eine »wirkliche Räuberbande« darin ihr Wesen trieb und damals gerade in der Umgegend Berlins eine 130 Köpfe zählende Mordbrennerbande gefangen worden war, unter der die Hauptbrandstifterin, die »schöne Luise, die aus Kinderfett Brandlichter machte«, wegen ihrer Schönheit und verbrecherischen Naivetät die größte Neugier erregte. Iffland hatte als Leiter des Kgl. Schauspielhauses deshalb nicht gewagt, selbst über die Aufnahme des Stücks zu entscheiden, sondern es der Zensur eingereicht, die die Aufführung nicht erlaubte.
Diesmal gereichte das Zensurverbot dem davon betroffenen Werk zum Glück, denn erst später schrieb Carl Maria von Weber dazu die Musik, die auch den Text unsterblich machte, der sonst längst vergessen wäre. In dieser Vertonung fand die erste Aufführung der »Preciosa« auf dem Berliner Hoftheater am 14. März 1821 statt.
Gefährliches Spielzeug.
In einem Stück »Fehlgeschossen« von Costenoble, das am 12. Oktober 1812 auf dem Theater an der Wien aufgeführt wurde, zeigt ein Drechsler Kindern Spielzeug und erläutert es ihnen mit den Worten: »Hier ein Hase, dort ein gesternter General.« Diese Worte wurden von einem »Geheimagenten« beanstandet und mußten daraufhin gestrichen werden.
Das »jüngste Gericht« ohne Jesus.
Als der Komponist Ludwig Spohr am 21. Januar 1813 in Wien sein Oratorium »Das jüngste Gericht« aufführte, wurden die Namen Jesus und Maria im Personenverzeichnis beanstandet. Nach langen Verhandlungen wurde der Druck des Textes nur mit Auslassung jener Namen erlaubt. Spohr gab sich damit zufrieden, weil sich jeder Leser aus dem Inhalt leicht die fehlenden Namen ergänzen konnte.
Vaterländische Schauspiele.
Sofort nach dem Abzug der Franzosen aus Berlin und dem Einmarsch der Russen Anfang März 1813 reichte Achim von Arnim dem Berliner Hoftheater ein vaterländisches Schauspiel »Die Vertreibung der Spanier aus Wesel im Jahre 1629« zur Aufführung ein; bei der Aktualität des Stoffes durch die neue erlösende Wendung des europäischen Krieges drang er natürlich auf baldige Aufführung.
Mit vaterländischen Schauspielen wußte man aber damals in Berlin ebensowenig anzufangen wie in Wien. Heinrich von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg« und seine »Hermannsschlacht« existierten für die Bühne nicht. Wie konnte Arnim da Besseres für sich und sein Stück erhoffen! Iffland als Direktor des Theaters wagte auch keinen selbständigen Entschluß, sondern fragte erst die den abwesenden Staatskanzler vertretende Oberregierungskommission, ob sie nichts dagegen habe. Wider Erwarten erteilte die Kommission die Erlaubnis, da dem Stück »historische Wahrheit« zugrunde liege, obgleich »allerdings Anspielungen auf die Bedrängnisse vorkämen, welche Deutschland und Preußen von den Franzosen erlitten« habe. Dennoch konnte Iffland nicht das Herz fassen, das Werk aufzuführen.