Auf Empfehlung des Zensors von Haager entschied der Kaiser am 8. Dezember 1814: »Wenn in dem Trauerspiele ›Correggio‹ dem Bilde, welches dieser malt, eine bestimmte profane Benennung, z. B. aus der fabelhaften Götterlehre, gegeben wird; wenn alle Anspielungen auf Maria, Johannes, Magdalena, und überhaupt auf Bilder der Heiligen, wie auch der Altar in der Eiche vor der Hütte des Einsiedlers wegbleiben, und wenn Äußerungen, wie z. B. Jesus, Maria, Mutter Gottes, vor dem schönen Bilde der Magdalena knien und beten usw. gestrichen werden, so kann die Aufführung des Stückes gestattet werden.«

Der Altar wurde dementsprechend auf ein kleines Bild reduziert, das Knien und Beten in »andächtige Betrachtung« verwandelt, die Namen Jesus und Maria durch gleichgültige Ausrufe und das Madonnenbild durch das – der Familie des Malers ersetzt! Nun stand der Aufführung nichts mehr im Wege; sie fand am 30. August 1815 statt.

»Ein König darf nicht lächerlich gemacht werden.«

Der österreichische Humorist Castelli hatte für ein Wiener Possentheater einen travestierten Lear geschrieben. Die Zensur verbot aber die Aufführung mit der Begründung, ein König dürfe nicht lächerlich gemacht werden.


8. Im Banne Napoleons.

»Im Kriege erträgt man die rohe Gewalt, so gut man kann, man fühlt sich wohl physisch und ökonomisch verletzt, aber nicht mehr moralisch.«

Goethe, Aus meinem Leben. III, 12.

Napoleon und die Presse.