Abb. 30. Ober- und Unteroffiziere von den St. Georgs-Schützen (1639).
Im Rathaus-Museum zu Haarlem.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)

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GRÖSSERES BILD]

Abb. 31. Bildnis eines Admirals oder Seekapitäns.
Im Ermitage-Museum zu St. Petersburg.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)

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GRÖSSERES BILD]

Abb. 32. Entwurf zu dem Gemälde: „Die Vorsteher des St. Elisabeth-Krankenhauses“ im Haarlemer Museum.
Zeichnung in der Albertina zu Wien.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)

Wenn wir uns eine lebendige Vorstellung machen wollen von den Helden, welche damals mit und unter Tromp für Hollands Macht und Ehre stritten, so können wir uns keinen sprechenderen Charakterkopf denken, als derjenige ist, der aus dem prachtvollen Bildnis eines unbekannten Offiziers zu uns spricht, welchen Franz Hals in eben jener Zeit gemalt hat ([Abb. 31]). Das Bild befindet sich in der kaiserlichen Gemäldesammlung der Ermitage zu St. Petersburg, deren Meisterwerke auch weiteren Kreisen von Kunstfreunden durch mustergültige photographische Wiedergaben zur Kenntnis gebracht zu haben ein nicht hoch genug zu schätzendes Verdienst der Anstalt von Braun & Cie. in Dornach ist. Wir sehen einen noch ziemlich jugendlichen Mann, der in selbstbewußter, aber ungesuchter Haltung, den rechten Arm keck auf die Hüfte gesetzt, uns halb von der Seite ansieht. Hinter ihm öffnet sich ein Ausblick auf den Schauplatz seiner Thaten, auf die weite, dunkle See. Jahre des Kampfes gegen Wind und Wetter, wie gegen die Waffen der Feinde, haben die Züge des von Natur rundlichen Gesichtes hart und groß gemacht. Aus jeder dieser markigen Formen spricht die Kraft eines eisernen Willens und die Lust zu kühnen Unternehmungen; aber auch das erkennen wir, daß der harte Kriegsmann gern bereit ist, die Lebensgenüsse, welche die Gunst einer flüchtigen Stunde ihm bietet, in vollen Zügen auszukosten, und daß er gutgelaunt an Scherzen Gefallen findet, die gar nicht so sehr fein zu sein brauchen. Trefflich steht zu diesem wetterfesten Gesicht die Umrahmung durch das in dichter Fülle unter dem breitrandigen Filzhut hervorquellende, gleich einer Löwenmähne herabwallende Haar. Das Haar so lang und so ungekünstelt zu tragen, war jetzt die neueste, vielleicht zuerst bei den Kriegsleuten aufgekommene Mode — die mancher freilich nur mit Hilfe einer Perücke mitzumachen im stande war; diese Mode verdrängte jetzt vollständig die früher lange Zeit hindurch herrschend gewesene Sitte, das Haar ganz kurz scheren zu lassen, wie wir es auf dem Schützenbild von 1616 bei fast sämtlichen Personen, bei demjenigen von 1639 aber nur noch bei einem einzelnen alten Herrn sehen. Wie meisterhaft Franz Hals das Beiwerk der Kleidung als etwas Nebensächliches zu behandeln und dabei doch auf das treffendste zu kennzeichnen und zur Wirkung zu bringen wußte, davon gibt dieses Bildnis ein ausgezeichnetes Beispiel. Mit welcher kecken Sicherheit die Spitzen des Weißzeugs, das polierte Metall des Harnisches, die derben Falten des starkstoffigen Wamses und die leichte Seide der Schärpe in schnellen, bald breiten, bald spitzigen Pinselstrichen hingemalt sind, das ist auch in der Abbildung deutlich zu erkennen, dank der selbst das malerische Machwerk bis ins einzelne wiedergebenden Schärfe der Braunschen Photographie.