Abb. 17. Bildnis eines Unbekannten. In der kgl. Galerie zu
Kassel. Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.
Während der ersten Jahre seiner Verheiratung wohnte Rubens bei seinem Schwiegervater. 1611 bezog er eine eigene Wohnung, die er sich mit großem Aufwand durch den Umbau eines 1610 erworbenen geräumigen Hauses herstellte; er schuf sich im Stil der barocken italienischen Spätrenaissance einen wahren Palast, den er mit fürstlicher Pracht ausstattete; im Garten errichtete er einen reichgeschmückten Rundbau zur Aufnahme seiner großartigen Sammlung von Kunstwerken und Altertümern; überaus prächtig stellte er sich seinen Arbeitsraum her. Heute zeigt das an der breiten, Place de Meir genannten Straße liegende Haus nur noch einzelne Überbleibsel der ihm von Rubens gegebenen Gestalt; das einzige Wohlerhaltene ist ein mit Bildwerken geschmückter Gartenpavillon in Gestalt eines triumphbogenähnlichen Thorbaues. An diesem Pavillon ließ Rubens zwei Inschriften anbringen, welche für seine Lebensphilosophie bezeichnend sind; auf der einen Seite las man die Verse des Juvenal:
Überlaß es den Göttern, dafür zu sorgen, was unser
Bestes sei und was uns ein gutes Gedeihen bereite;
Lieber ist ihnen der Mensch als sich selbst.
Auf der anderen Seite (aus dem nämlichen Dichter):
Daß ein gesunder Geist in gesundem Körper dir wohne,
Darum bete; erflehe ein starkes Gemüt, das den Tod nicht
Fürchtet, den Zorn nicht kennt und die Begierde vermeidet.