Die beiden Alten sahen ihr wohlgefällig nach. Es war immer, als schwebte sie über dem Boden. Ganz eigen zierlich setzte sie unter dem weitbauschigen Rock, der grad nur die modische Krinolinenform andeutete, die Füßchen. Schuster Freyer in Logow war sonst kein Held in seinem Fach, aber für das gnädige Fräulein auf Rohlbeck tat er immer sein Bestes.
„Ein Mordsmädel, deine Lene!“ meinte der Pastor schmunzelnd.
Der Rittmeister nickte. „Ein gutes Kind. Das heißt — es ist noch junger Most. Das gärt und gärt und will manchmal überschäumen. Man muß die Lene ein bißchen straff im Zügel halten.“
Heckstein lächelte verstohlen. Er wußte am besten, daß die Kinder im Schloß nie recht im Zügel gehalten worden waren. Nicht gleichmäßig wenigstens. Mal hatten die Zügel am Boden geschleift, mal waren sie wieder gewaltsam angezogen worden; und wenn Hackentin am rechten Zügelende zog, zerrte die alte Gnädige vielleicht gerade am linken. Aber das tat am Ende nicht viel. Es war ein guter Kern in den Kindern.
Wie er das überdachte, während sie langsam wieder unter dem grünen Dach der Kastanien hinschlenderten, fiel ihm ein, daß die Gelegenheit vielleicht günstig wäre, für den Kantor noch ein gutes Wort einzulegen.
„Sieh mal, Hackentin,“ begann er aufs neue, „da hast du eben auf den Flehr geschimpft. Hast aber ganz vergessen, was der Mann sich für eine Mühe mit der Lene gegeben hat und noch gibt. Ich meine von wegen ihres Gesanges.“
„Wird ihm doch auch bezahlt.“
„Na hör’ mal: die paar Dittchen für die Stunde! Du kannst froh sein, daß wir solch einen musikalischen Kantor hier haben, der dafür sorgt, daß Lenes schöne Stimme nicht verkommt. Aber neulich hat er mir selber gestanden, daß er am Rande seiner Kunst ist.“
„Jawohl — jawohl — ich weiß schon. Das heißt — daß Lene in die Stadt müsse, einen anderen, besseren Lehrer bekommen. Die Litanei hat er mir auch schon vorgebetet. Unsinn, Pastor. Dazu langt’s nicht mehr. Und ich will auch nicht. Will nicht, daß der Lene alle möglichen Fladusen in den Kopf gesetzt werden. Damit darfst du mir nicht kommen ...“
Der Rittmeister rückte sein Käppchen plötzlich ganz weit nach rückwärts auf die weißen lockigen Nackenhaare, wandte sich kurz um, und da Diana der Kehrtwendung nicht schnell genug folgte, vielmehr mit fragendem Blick aufsah, kriegte sie einen sanften Hieb —