„In den Stunden also —“

„Quäl’ mich nicht, Harro!“

Da ging er weiter. Die Haustür glitt ins Schloß, ganz sanft drückte Harro sie zu. Schweigend schritten sie nebeneinander die breiten Eichenstufen hinan. Erst vor ihrer Tür, oben im halbdunklen Korridor, blieb er noch einmal stehen. Tief schöpfte er Atem, es war, als ringe er mit sich. Dann sprach er dringend, heiß: „Du hast neulich nichts von mir wissen wollen, Helene. Aber ich muß es dir doch noch einmal sagen, wie gern ich dir helfen möchte. Wenn ... wenn er nur deiner wert ist ...“

Ganz leise hatte er das letzte geflüstert in seiner verhaltenen dunklen Jungensstimme. Verschämt fast und doch so innig. Sie hörte es mit geschlossenen Augen, gegen die Wand gelehnt.

Als sie die Augen öffnete, war Harro fort. Und sie ging in ihr Zimmer und weinte sich aus.

**
*

Am Nachmittag kam Bruder Wilhelm. Helene wurde heruntergerufen, ließ aber um Entschuldigung bitten: sie hätte schreckliche Kopfschmerzen. Die Wahrheit war’s und doch nicht die ganze Wahrheit, sondern eine Ausrede. Nur niemand sehen, niemand hören wollte sie.

Da kam aber Wilhelm selbst heraufgepoltert, sah in das dunkle Zimmer, holte vom Korridor die Lampe: „Aber Lene, was machst du? Tante Marianne klagte auch, du sähst miserabel aus. Laß doch mal zusehen. Wo fehlt’s denn?“

Die Augen taten ihr weh in dem plötzlichen grellen Licht. Sie hielt die Hand vor, auch deshalb: wozu brauchte er die Tränenspuren zu sehen! Ein Lächeln zwang sie heraus, indem sie ihm die Hand gab: „Kopfweh, Wilhelm, weiter nichts. Morgen ist alles wieder gut.“

Der große Optimist war leicht beruhigt, schob die Lampe beiseite, setzte sich: „Na ja, so leicht sind wir Hackentiner nicht unterzukriegen. Ja ... und ich möcht dir doch noch Prost Neujahr sagen. Eine ganze Hucke Grüße und Wünsche bring ich dir aus unserm lieben alten Rohlbeck mit.“