Ihm nachschreien: das ist gelogen! Wie kannst du es wagen, vor meinen Ohren Alfred so zu verleumden! Weißt du denn nicht, daß er mich liebt? Mich — nur mich!

Gelogen! Gelogen! Gelogen!

Immer wieder sprach sie es in Gedanken vor sich hin. Es tat ihr körperlich weh, es war, als ob das Wort jedesmal einer spitzen Nadel gleich ihr ins Gehirn stoße. Aber sie wiederholte, wiederholte: gelogen — gelogen — gelogen —

Eine Stunde wohl saß sie so, ohne sich zu rühren. Ohne einen einzigen anderen Gedanken fassen zu können. Nur, daß ihr wohl ein Wort durch den Sinn schoß, das er neulich gesprochen hatte, lachend: „Du bist doch nicht eifersüchtig?“ Aber es war nur wie eine unklare Erinnerung. Eifersüchtig?! Wie sollte sie eifersüchtig sein? Es war doch alles gelogen — gelogen — gelogen —

Einmal steckte Tante Oschitz den Kopf durch die Türspalt: „Immer noch Kopfschmerzen? Armes Kind! Mach dir doch einen ordentlichen Umschlag von Eau de Cologne.“

„Ja, liebe Tante.“

„Ich muß zu Madame Sandern. Willst du das Abendbrot auf dein Zimmer?“

„Wie du befiehlst, liebe Tante.“

O Gott, daß auch diese sanfte Stimme schmerzen konnte.

„Soll dir das Mädchen die Lampe bringen?“