Weiter und weiter rasselte der Wagen, immer im gleichmäßigen langsamen Trotteltrab. Jeden Hufschlag empfand sie. Es klang fast wie: ‚Wie soll das nun werden? Wie ... soll ... das ... nun ... werden?‘ Aber auch dem konnte sie nicht nachdenken. Es war alles so verworren, so unklar. Nur ein großer, großer Schmerz war da.
Endlich hielt der Wagen.
„Mama ist nicht zu Hause. Johann auch nicht, nur Luise“, hörte sie wieder. „Ich bring dich hinauf. So ... komm ... gib mir deine Hand.“
Das war also doch Harro. Wie verständig der Harro war! Der Junge!
Und dann lag sie auf dem Sofa oben in ihrem Zimmer. Die Lampe brannte, aber Harro hatte den Schirm vorgezogen, das Licht blendete nicht. Es war schön warm; draußen war es doch eisig kalt gewesen. Und die alte Luise war da, brachte heißen Tee, zog ihr die Stiefel aus, rieb ihr die Füße. Und als sie gegangen, kam Harro noch einmal herein, setzte sich zu ihr, streichelte ihr die Hand.
Was war denn das?
Der große Junge hatte ja dicke Tränen in den Wimpern.
Sie sah ihn an, richtete sich mühsam hoch, sah ihn wieder an, mit erwachenden Augen. Sank zurück, schlug die Hände vor das Gesicht und schluchzte — schluchzte bitterlich.
Mit einem Male stand nun alles wieder vor ihrer Seele — durchlebte sie all ihr Unglück noch einmal, rang mit der Verzweiflung, bäumte sich auf, brach völlig zusammen. Nun hörte sie nicht mehr, was Harro ihr zusprach, fühlte nicht mehr den leisen, mitleidsvollen Druck seiner Hand. Fühlte nur eins: es ist aus und zu Ende ... dein Glück liegt in Trümmern und Scherben ...
Eine endlose, endlose Nacht.