„Finger weg, Thede! Himmel, wie der Junge wieder aussieht!?“ Und da gerade Doktor Hemming sich umschaute, den Strohhut, den er immer bis in den November hinein trug, lüftete und anstatt auf den harmlosen Horizont zu ihr himmelte, mochte der auch gleich sein Teil abbekommen. „Nein, wie Sie den Bengel mit solchen Händen herumlaufen lassen können?! Unsere Ferkelchen sind ja reinlicher als er.“ Und dann kam doch die Neugier ihrer jungen Jahre: „Das Allerneueste? Na, das wird wieder mal was Feines sein?“

„Ein Russe kommt nach Rackow. Ein wirklicher, leibhaftiger Russe.“

„Woher hast du denn dein großes Wissen, Thede?“

„Na ... von dem Rackower Jochen ... natürlich.“

Inzwischen hatte auch der Hans sich von der Brückenmauer herabbequemt. Im Vollgefühl seiner höheren Weisheit höhnte er: „Ja — und Thede stellt sich den Russen mit einer Bärenfellmütze und einem so langen Bart vor. So wie er in der Fibel abgemalt ist.“

„Der Russe lebt in Eis und Schnee,

Säuft vielen Schnaps und noch mehr Tee,“

gab der Hauslehrer einen Fibelvers eigener Erfindung zum besten und wartete, ob sein Witzchen nicht ein Lächeln auf dem schönen Mädchengesicht heraufzaubern würde.

Aber er wartete vergeblich. „Ach Unsinn —“ meinte Helene nur und schlenderte langsam über die Brücke auf die Chaussee. Ach Unsinn — sagte sie, und doch beschäftigte sie der Russe gewaltig. Ein Russe, ein leibhaftiger Moskowiter! Wo den die Rackower nur aufgegabelt hatten? Und warum die heut nachmittag nichts von ihm erzählt hatten? Gewiß, weil er wieder einmal eine Überraschung für den ganzen Kreis sein sollte. Sicher irgendein Großfürst oder einer der millionenschweren Bojaren. Oder mindestens ein Diplomat. Aber dann hätten sie doch nicht die zweite Garnitur, Pferde, Wagen und Jochen, zum Abholen geschickt ...

Da kam sie aber wirklich, die Post.