Auf dem Stellberger Berge, wo sich die Chaussee in den Wald verlor, wirbelte eine kleine Staubwolke auf, wälzte sich näher und näher den Hang hinunter. Bald wurden dahinter, in kleinen Abständen, noch zwei Wölkchen sichtbar — die Beichaisen. Der Verkehr von Frankfurt a. O. nach Posen mußte lebhaft sein, jetzt im Frühherbst.
Nun unterschied man schon Wagen und Pferde. Und als die Hauptpost draußen an der Schneidemühle vorüberrollte, setzte der Postillion sein Horn an die Lippen. Es klang deutlich, getragen und langsam, herüber:
„Drei Lilien, drei Lilien, die pflanzt’ ich auf mein Grab,
Da kam ein stolzer Reiter und brach sie ab ...“
Der Hauslehrer stand wieder neben Helene. Er fühlte das unwiderstehliche Bedürfnis, geistreich und sinnig zu sein: „Wie lange noch, und wir hören den guten Schwager zum letzten Male. Wenn der Herr Baron erst die Eisenbahn von Frankfurt nach Posen bauen wird, verödet die Chaussee, und dann heißt es auch für Rohlbeck, was der Dichter Scherenberg klagt:
Mit Totenschnelle geht es fort,
Kein Schwager knallt hinein,
Kein Wegesgruß, kein schelmisch Wort,
Kein Posthorn weckt den müden Ort
Und klingt zum Träumen ein.