Zündet Opfer an:

Denn der Geist der Gnaden

Hat sich eingeladen,

Macht ihm die Bahn,

Nehmt ihn ein, so wird sein Schein

Euch mit Licht und Heil erfüllen

Und den Kummer stillen —“

„Ich singe wieder, Harro!“ hatte sie damals geschrieben. „Denk Dir doch, lieber Harro, ich kann wieder singen. Auch das war in mir erstorben und ist nun, zu Pfingsten, auferstanden. Leicht macht’s mich und froh, Du wirst das schon verstehen. Sie sind alle, alle zu mir in der schweren Zeit so rührend gut gewesen. Am rührendsten Martha, Wilhelms Frau, die Du leider noch nicht kennst. Sie hat mich gestützt, mich getragen, mir geholfen in meinen Nöten. Aber schließlich kann jeder Mensch sich ganz nur selber helfen. Siehst Du, Harro, nun weiß ich endlich, wodurch ich mir helfen kann. Meine Kunst ist’s, die mich wieder frei machen wird. Es ist freilich anders wie früher. Ich denke nicht mehr an äußere Erfolge, nicht an den Konzertsaal und den Beifall, von dem ich einst träumte. Für mich und für die, die mich liebhaben, will ich singen, meine Gabe pflegen und weiterbilden. Ich bin so froh, Harro. Ich wollte, Du wärst hier, und ich könnte Dir das zeigen, wie froh ich bin. Hinausgehen würde ich mit Dir aufs Feld, wir beide allein, und mit den Lerchen möcht ich dann um die Wette singen.“

Am zweiten Pfingstfeiertag, nach dem Schluß des Gottesdienstes, lernte Helene Herrn von Holfen kennen, den Käufer des Rackower Vorwerks.

Sie hatte ihn schon in der Kirche bemerkt und sich flüchtig gefragt, wer der junge fremde Mann drüben auf der anderen Empore wäre; ein Forsteleve vielleicht, hatte sie gedacht, und sich nicht weiter in ihrer Aufmerksamkeit stören lassen.