Wann wird im Deutschen Garten

Die Kaiserkrone blühn?“ — —

„Sie kennen Geibel?“

„Ich kenne und ich liebe ihn.“

„Und warum zitierten Sie gerade aus der ‚Ungeduld‘?“

„Weil mir da Geibel besonders aus dem Herzen spricht.“

Sie saßen sich gegenüber. Helene hatte den Band vor sich, blätterte ein wenig darin, sah dann auf.

„Es ist eigentlich ein politisches Lied. Ich hörte Sie aber neulich doch einmal sagen, Herr von Holfen, daß Sie der Politik gern fern blieben.“

Er lächelte, und sie gestand sich, daß dies Lächeln sein etwas eckiges Gesicht verschönte. Klug sah er aus.

„Ist es ein politisches Lied, gnädiges Fräulein? Dann laß ich diese Politik gelten. Ich mag mich nur nicht Hals über Kopf in das Parteigetriebe des Tages stürzen, bei dem wohl hüben und drüben übertrieben und gesündigt wird. Aber den großen Traum der deutschen Einheit, den Geibel hier aufklingen läßt, den träume ich auch mit; und ich denke und hoffe, er wird noch Wirklichkeit werden. Wenn wir das vielleicht auch nicht erleben.“