Jetzt schickte Harro keine Noten mehr.
Aber dafür seine frohen, übermütigen Briefe von „da oben“ her. Und Vater beorderte dann und wann Helene ans Klavier, daß sie ihm das Chemnitzsche Lied sänge:
„Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
Deutscher Sitte hohe Wacht,
Wahre treu, was schwer errungen,
Bis ein schön’rer Morgen tagt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Wanke nicht, mein Vaterland!“
Manchmal mußte Helene auch aus Harros Briefen vorlesen. Die Garde stand jetzt schon oben auf jütischem Boden, bei Kolding. Ein wenig neidisch schrieb der tatendurstige Junker von den Kameraden, denen vor den Düppeler Schanzen größere Lorbeeren winkten. Aber kleinere Gefechte gab’s bei ihnen auch, und lustige Geschichtchen wußte er immer zu erzählen. Gestern hatte „Einer von meinem Regiment“ einen flüchtenden Dänen angeschossen, ihn dann eingeholt, triumphierend zurückgebracht: „Das ist mein Däne!“ und ihn durchaus selber gesund pflegen wollen. Vater schmunzelte oder lachte auch hell auf. Als Harro beschrieb, wie wunderschön drollig jetzt die Posten aussähen: im großen weißen neugelieferten Schafpelz mit dem Helm dazu auf dem Kopfe, meinte er: „So sahen unsere Kerle im Winter Anno achtzehnhundertundzwölf auch aus, oben in Kurland, beim alten Yorck. Das heißt, geliefert waren uns die Pelze nicht. Die hatten wir — gestohlen. Aber Helme hatten wir noch nicht, und unsere alten Hüte waren immer so steifgefroren, daß man Suppe draus hätte löffeln können.“
Dann, Ende März, kam ein förmlicher Jubelruf: „Hurra, nun kommen wir doch noch vor Düppel. Unsere neuformierten Garde-Regimenter sollen beweisen, daß sie hinter den alten nicht zurückstehen. Wir wollen’s den Dannemanns schon zeigen! Und wenn der „Rolf Krake“ angeschwommen kommt, dann stecken wir den mitsamt seinen dicken Panzerplatten in die Tasche. Halt mir den Daumen, liebe, liebe Lene! Wenn alles gut geht und ich kann mich ein bissel auszeichnen, bin ich vielleicht in vier Wochen Offizier.“