„Ja — weshalb nicht? Vielleicht ist mein Interesse erst später recht erwacht.“ Merivaux ging einige Schritte schweigend weiter. „Vielleicht sprach ich auch aus Trotz nicht. Ich weiß nicht recht.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Vielleicht ... nun, vielleicht wollte der Dilettant die Konkurrenz mit dem ... wie sagt man doch — mit dem Mann von Beruf nicht aufnehmen.“
Er hatte das letzte zögernd gesprochen, fast wie widerwillig. Und es schien ihm sofort leid zu tun. Denn er sah wohl, wie Helene Hackentin ablehnend den Nacken straffte, daß sie starr geradeaus blickte und ihren Schritt beschleunigte.
Sie ärgerte sich. Eigentlich traf’s ja doch den Kern der Sache, war’s ganz richtig, was Merivaux eben gesagt hatte: der Dilettant tritt immer vor dem Berufskünstler zurück.
Nun war er wieder an ihrer Seite.
„Was studieren Sie jetzt mit Frau Harriers, wenn ich fragen darf?“
Noch immer konnte sie sich nicht ganz überwinden. Ganz kurz gab sie zurück: „Die Partie der Elsa ...“
„Eine schöne ... eine sehr schwere Aufgabe. Schwer wie fast alles von diesem Maestro Wagner. Man muß sich ganz in ihn hineinleben, wenn man ihn recht verstehen will. Ich ’ab es versucht, aber es will nicht ganz glücken. Vielleicht muß man ganz ein Deutscher sein dazu?“
„Warum das, Herr von Merivaux? Die Musik, die Kunst überhaupt ist doch wohl international?“