Bis dann die Landwehrmänner, einer noch mit dem Kreuz von Eisen, drei mit dem Düppelkreuz auf den langen schwarzen Bauernröcken, herantraten, die Jagdflinte in der Hand, und dem Kameraden die drei Ehrensalven über das Grab schossen.
Als die letzte Salve verhallt war, sprach Graf Grucker, der neben dem Pfarrer stand und ihm liebevoll die Hand gereicht hatte: „Mir ist’s, als hätten wir mit unserem guten Hackentin die alte Zeit begraben. Nun kommt wohl eine neue herauf. Daß sie nur gut wird — meine Hochachtung — die neue Zeit!“
Heckstein sah zu ihm empor mit schimmernden Augen: „Das walte Gott!“
*
Helene hatte ihre eigene Schwäche gefürchtet und die Leidenschaft ihres Schmerzes. Daß sie zusammenbrechen würde oder aufschreien, mitten im Gotteshause, an der offenen Gruft. Und doch war sie ganz gefaßt, ganz ruhig gewesen unter der Heiligkeit von Ort und Stunde. Der wehe Schmerz war zur sanften Trauer gewandelt, und als sie in das kleine Kirchlein trat, hob sie die Weihe des Augenblicks über alles Irdische empor. Die Orgel klang, und fest setzte ihre Stimme ein, dem geliebten Vater zur letzten Ehre.
Es tat ihr wohl, daß sie alle gekommen waren, unendlich wohl die Liebe und Verehrung, die ihm galt. Eine stille wehmutsvolle Freude war in ihr, daß durch die Kirchenfenster die strahlend helle Sonne leuchtete. Als ob Gott es mit Vater noch heut besonders gut meinte.
Ganz ruhig, ganz gefaßt war sie in all ihrer Ergriffenheit.
Einmal nur wollte ihre Kraft schwinden. Als der Sarg langsam in die Gruft glitt. Vielleicht sah man’s ihr an, vielleicht schwankte sie. In dem Augenblick suchte eine feste Hand die ihre, und sie war wie eine gute Stütze. Nur ganz dunkel empfand sie, daß Merivaux neben ihr stand, mitten unter ihren Nächsten, daß er es war, der ihre Hand ergriffen wie mit wortlosem Zuspruch. Aber sie ließ sie ihm, trat mit ihm an die Gruft, und so gaben sie gemeinschaftlich dem Vater den letzten Erdengruß.
Während sie langsam, inmitten der Trauerversammlung, über den Dorfanger schritten, drückte er noch einmal innig ihre Hand, und dankbar empfand sie, daß er nicht zu ihr sprach. Daß er nicht unter denen blieb, die von weit her gekommen waren und nun nach ländlichem Brauch mit hinübergingen in das Elternhaus.
Weit denen voraus floh sie in ihr kleines Zimmer unter dem Dach — —