Als solcher sprach er auch mit der Schwester über Merivaux.

Zum ersten Male bei der Erörterung über ihr Erbteil. Ganz nebenbei: „Gottlob, daß dein Bräutigam in einer so guten Assiette ist, Helene.“ Da war sie hochgefahren, das Blut schoß ihr in das Gesicht, und sie sagte nur, scharf und knapp: „Das, bitte, laßt jetzt!“

Aber ein paar Stunden darauf kam Wilhelm auf ihr Zimmer. Etwas feierlich, etwas väterlich und ein wenig verlegen: „Ich muß doch mit dir reden, liebe Helene. Möchte dir vor allem, ganz im stillen, herzlich gratulieren. Merivaux ist ein Prachtmensch, ich hab ihn immer sehr gern gehabt. Nun — und ich kann’s ja wohl sagen — früher hatten wir auch so manchmal heimlich gedacht — ja! — die Rackower hatten uns so Andeutungen gemacht. Wir hatten’s dann aufgegeben. Desto besser, daß es nun doch wahr geworden ist. Es ist ja ein trauriges Zusammentreffen mit Papas Tod — zu traurig für euch beide. Aber überlegt muß das doch nun werden, ob eure Verlobung jetzt offiziell werden soll.“

Sie stand am Fenster und sah auf den Wirtschaftshof hinaus und das Winkelchen Garten, das sich rechts anschloß. Wandte dem Bruder das Gesicht nicht zu — wozu sollte er sehen, wie das Blut darin kam und ging! — und antwortete nicht.

Er sprach auch gleich weiter: „Ich weiß selber nicht recht, ob es nicht taktvoller wäre, wenn ihr damit mindestens ein paar Wochen wartet? Ist es dir recht, wenn ich mit Merivaux darüber spreche? Er hat sich zu heut nachmittag bei mir ansagen lassen.“

Da schrak sie zusammen und entgegnete fast heftig: „Bitte — nein! Ich muß selber mit — mit ihm sprechen.“

Wilhelm lachte leise: „Wie aufgeregt du bist! Natürlich sollst du selber mit ihm sprechen. Wer sollte dir denn das wehren?“ Und nach einer Weile: „Du bist doch ein wunderliches Menschenkind, Lene. Läßt mich hier stehen und reden und siehst mich nicht an. Ich könnte fast glauben, du hast etwas gegen mich.“

Nun endlich wandte sie sich langsam um, immer noch wortlos. Und da trat er dicht zu ihr, legte seine Hände auf ihre Schultern: „Aber wie siehst du denn aus, Lene? Sieht so eine glückliche Braut aus!“

„Glücklich —“, sagte sie schwer.

Er verstand es falsch. „Ja, freilich! Armes Kind! Sei nicht böse. Man vergißt manchmal auf Momente ...“