Ein leises Kichern wieder, ein halblautes: „Ja ... die Jugend ...“ Bald kamen die tiefen, ruhigen Atemzüge. Omama schlief. Gewiß lag auf ihrem guten Antlitz zwischen all den Runzeln und Fältchen ein Lächeln der Erinnerung.
Aber Helene fand und fand keinen Schlaf, bis der Morgen graute. Auf ihr lastete die Gegenwart, und sie fürchtete sich vor der Zukunft.
Wie sie alles jetzt hinausschob, hinauszögerte, als erwartete sie, daß irgendein kommender Tag ihr eine Befreiung bringen könnte, so hatte sie auch die nötigsten Besuche hinausgeschoben. Schließlich sah sie selber ein, es mußte der Pflicht genügt werden.
Es waren der Besuche ja auch nicht viel zu erledigen. Von den Kameraden Merivaux’ waren nur wenige verheiratet.
Aber auch Tante Marianne Oschitz stand auf der kleinen Liste. Es herbstete schon stark, als das Brautpaar vor der einsamen Insel vorfuhr; und als Helene am Arm Merivaux’ durch den Vorgarten schritt, dachte sie unwillkürlich: ‚nun sind es drei Jahre, seit du hier einzogst. Erst drei Jahre — schon drei Jahre! Die dir mehr Erleben gebracht haben, mehr als alle anderen. Und kein Glück ...‘
Sie dachte noch daran, als sie vor Tante Marianne stand. Es mochte wohl nicht so glücküberströmend klingen, wie das gleiche Wort aus anderem Mädchenmunde: „Mein Bräutigam, liebe Tante.“
Die kleine alte Frau machte einen hinfälligen Eindruck. Sie hatte sich bei dem Eintritt der beiden mühsam erhoben, kam ihnen auf dem Stock mit schwerer Elfenbeinkrücke gestützt entgegen, sagte freundlich mit ihrer leisen, sanften Stimme: „Ich freue mich herzlich. Der Segen Gottes möge mit eurem Bunde sein —“, und dann stutzte sie plötzlich.
Es war nur auf einen Moment, sie nötigte gleich zum Sitzen. Immerhin war es so auffallend, daß es Helene nicht entging. Sie sah auf Merivaux, wie eine Erklärung suchend. Aber der stand gerade aufgerichtet, nach seiner Gewohnheit Tante Marianne mit seinen großen, blauen Augen hell ansehend. Immer sah er allen Leuten so ins Gesicht, so offen und zuversichtlich.
Tante Marianne war heut sehr weich und gütig, zeigte ein lebhafteres Interesse, als sonst ihre Art war, erkundigte sich nach Merivaux’ Heimat, nach seinen Plänen für die Zukunft; schien sich zu freuen, als er frisch und fröhlich antwortete: „Ich ’ab nur einen Plan für die Zukunft, meine Frau recht glücklich zu machen.“ Sie lächelte, nickte und hatte gleich eines ihrer alten Sprüchlein: „Wer glücklich ist, kann immer glücklich machen! ... Sie haben so zuversichtlich glückliche Augen, lieber Herr von Merivaux.“
„Ich ... glückliche Augen, gnädige Frau?“