Er scherzte wieder: „Also gewiß ... du hast mich damals unterschätzt.“ Dann wurde er ernst: „Es liegen drei Jahre dazwischen, Helene. Drei Jahre bedeuten viel im Menschenleben. Oder richtiger, sie können viel bedeuten. Mir haben sie jedenfalls manch innere Wandlung gebracht. Aber ich könnte dir zurückgeben, was du mir sagst. Als ich dich kennen lernte, warst du auch nur ein wunderschönes charmantes Mädchen, dem eine gütige Fee die herrliche Stimme geschenkt hatte — eine Zufallsgabe schließlich. In den drei Jahren bist du eine andere geworden —“

Da hielt der Wagen. Sie mußten aussteigen, um bei Frau von Gélieu die Karten abzugeben und zu erfahren, daß die gnädige Frau ausgegangen wäre.

Als sie dann wieder im Wagen saßen, war Helene es, die den abgerissenen Faden der Unterhaltung neu aufnahm.

„Du sagtest, ich wäre eine andere geworden. Ich wünschte dir, ich wäre das junge Mädchen geblieben, das ich damals war.“

„Helene!“ rief er.

„Du würdest glücklicher sein.“

Es war ein Zwang in ihr, ihn anzusehen, als sie das sagte. Aber sie sah in so leuchtende Augen, daß sie den Blick senken mußte.

„Ich kann nur noch glücklicher werden!“ sagte er dann heiß. Schwieg einen Moment, schöpfte tief Atem und fuhr fort, nun sehr ernst. „Es ist wirklich nicht anders, liebe Helene: ich kann nur noch glücklicher werden. Ich weiß, daß wir es beide werden. Da du davon angefangen hast, will ich es dir gestehen: ich leide gewiß oft unter deinem harten Wesen. Wie könnte es anders sein! Aber sieh: mein Vater ist ein sehr kluger Mann. Als wir drei neulich zum letztenmal beisammen waren, ging ich mit ihm den weiten Weg bis zu seinem Hotel. Wir sprachen natürlich von dir — nur von dir. Er ist sehr empfänglich für Frauenschönheit. So war er bezaubert von deiner Erscheinung. Dann schwieg er eine ganze Weile und sagte endlich: ‚Weißt du auch, Gaston, daß du dir deine Braut erst erobern mußt? Ihre Seele ist noch nicht bei dir.‘ Die Hand hab ich ihm gegeben: ‚Ich weiß es, Papa. Aber ich werde um sie werben, nimmer müde, bis sie ganz mein ist. Denn ich habe sie lieb über alles in der Welt.‘“

Sie saß wieder mit gesenktem Kopf, sprach kein Wort.

Mit einem Male hörte sie neben sich sein frisches, fröhliches Lachen, das so seltsam klang nach seinen ernsten Worten und doch in diesem Augenblick so wohltuend und befreiend war.