Sie scherzten und lachten. Sie konnten scherzen und lachen und das neue Jahr in Gedanken und Wünschen mit Rosengirlanden umwinden — — —
Dann saß Helene in der Enge ihres Zimmers und schrieb, während Omama dicht neben ihr auf dem Kanapee träumte, Bogen auf Bogen an Gaston; zerriß Bogen auf Bogen, kämpfte ihre Tränen und ihr Schluchzen herunter, daß Omama nichts merke, setzte wieder an, fand nicht Anfang und nicht Ende.
Was sollte sie schreiben?!
Bis sie dann endlich, in angstvoller Verzweiflung, ein paar Worte fand:
„Ich flehe Dich an, Gaston, gib mich frei. Wenn Du mich lieb hast, und ich weiß, Du hast mich sehr lieb, so gib mich frei. Ich bin sehr schlecht. Ich habe Dich betrogen und belogen. Ich kann nicht vergessen, und von Dir weiß mein Herz nichts. Sei Du barmherzig zu mir, wie Du immer gütig warst: gib mich frei. Deine unglückliche Helene.“
Sie überlas gar nicht, was sie geschrieben hatte, kuvertierte, schrieb die Adresse, huschte die Treppe hinunter zum nächsten Briefkasten, warf den Brief ein. Und wäre fast zusammengebrochen, als der kleine Deckel mit leisem Rascheln zuschlug — hinter dem Briefe, der ihr Schicksal barg.
In fliegender Hast, wie gepeitscht, war sie auf die Straße geeilt. Schwer und langsam stieg sie die Treppe hinauf. Und suchte sich einen stillen Winkel, um sich auszuweinen. Zu weinen um den einen und um den anderen. — —
In all ihrer Verzweiflung stand ihr eins klar vor der Seele: daß Gaston sie nicht ohne Kampf aufgeben würde. Sie wußte, er kam gewiß. Sie wartete darauf mit angstvollem Herzen, suchte ihre armen schwachen Waffen der Abwehr zu schmieden. Rechnete sich aus: in aller Frühe hat er deinen Brief; der Dienst wird ihn noch ein paar Stunden festhalten, aber dann — dann kommt er — und er wird vor dir stehen und Rechenschaft fordern.
Er kam. Noch früher, als sie erwartet, schon gegen zehn Uhr.
Sie hörte die Flurschelle, hörte seine Stimme. Er sprach mit Martha: „Wo ist Helene?“ — „Guten Morgen, lieber Gaston. Entschuldige meine Toilette. Helene? Drinnen bei Omama —“ Dann kamen seine festen Tritte durch das Wohnzimmer, dann ging die Tür —