Helene saß neben ihrer Mutter am Fenster, zum erstenmal wohl im Leben wie bei Omama Schutz suchend. Saß mit dem Rücken gegen die Tür, wagte nicht aufzustehen, nicht aufzusehen.
Er kam gerade auf beide los, küßte Omama die Hand, sagte: „Ich muß Helene allein sprechen. Du erlaubst wohl.“ Nahm Helene an der Hand, zwang sie mit sanftem Druck. Willenlos folgte sie. In das Nebenzimmer führte er sie, bis zum Sofa. Und als sie dann saß, faßte er wieder ihre Hand und sagte: „Meine liebe arme Helene!“
Sie bebte, und die Tränen kamen ihr, als sie seine warme Stimme hörte, den zärtlichen Druck seiner Hände fühlte.
„Wollen wir deinen Brief nicht als ungeschrieben betrachten?“ fragte er. „Du hast das in der Erregung geschrieben, unter irgendeinem fremden Einfluß. Es ist am besten, Helene, wir vergessen es beide.“
Sie schüttelte nur langsam den Kopf.
„Liebe Helene, du bist sehr sensibel, läßt dich von Stimmungen beeinflussen. So war es sicher auch gestern. Ich glaube nicht, daß du mit Überlegung geschrieben hast. Vielleicht weißt du heut gar nicht mehr, was du schriebst. Sag’ mir, daß es dir leid tut. Ein Wort von dir, und es ist alles wieder gut.“
Er sprach ganz ruhig. Aber sie fühlte aus dem Unterton seiner Stimme, wie traurig er war.
Wieder konnte sie nur den Kopf schütteln. Doch dann machte sie plötzlich ihre Hand frei, hob sie vor die Brust und bat mit einer letzten starken Willensanspannung: „Ich bitte dich ... laß mich frei!“
Es war ein Schweigen zwischen ihnen.
„Wenn ich dich nicht so heiß liebte, Helene,“ sagte er dann, „würde ich nun gehen. Wenn ich dich nicht so sehr liebte, wäre ich gar nicht gekommen. So aber ... Du mußt mich hören. Gerade in der letzten Zeit fühlte ich deutlich, daß alles anders, besser zwischen uns wurde. Ich war so beglückt darüber. Und nun ... nun dein jäher Entschluß.“