So sagte sie ihm alles. Ihr jubelndes Glück und ihr tiefstes Leid und wie sie sich langsam aufgerichtet hätte und gestern, gestern noch froh und glücklich gewesen wäre, bis sie ihm begegnet war. Ihm! Wie da alles wieder in ihr aufgelebt wäre, plötzlich, in tausend Schmerzen —
In kleinen Bruchstücken nur kam es über ihre Lippen. Sie mußte sich oft zwingen. Sie weinte leise. Fand wieder ein paar Worte, mühsam, hastete dann in ihrer Rede wie im Fieber. Ihre Hände zitterten in den seinen, krampften sich zusammen, streckten sich wieder —
Und endlich schloß sie: „Ich bin sehr schlecht gewesen zu dir. Ich hab dich belogen und betrogen, damals im Park ... und immer ... immer. Ich kann ja nicht vergessen ... es ist ja gar nicht aus in mir ... es wird ewig leben ... und nun geh, lieber Gaston, geh ... vergiß du mich ... wenn du kannst, verachte mich nicht ...“
Sie konnte nicht weiter. Tief sank der Kopf auf die Brust. Schluchzen erstickte die letzten Worte und ward zum stillen Weinen.
Aber in diesem Weinen keimte allmählich ein Verwundern in ihr auf: warum hält er immer noch meine Hände? Und warum tut mir das so wohl ...
Dazwischen hörte sie seine Stimme: „Weine dich nur aus, Helene“, und nach einer Weile: „Kannst du mich jetzt hören?“
„Ich danke dir viel, vielmal für dein Vertrauen, Helene“, begann er dann. „Nichts ist, als daß deine Nerven dir einen bösen Streich gespielt haben. Still, Helene, höre nur weiter. Niemand von uns vergißt wohl je ganz eine große Freude, ein großes Leid. Das mag tief untertauchen im Gedächtnis, aber plötzlich ist es wieder auf der Oberfläche. Vergessen können wir alle nicht, wir können nur überwinden. Darauf kommt es an. Du aber hast ja längst überwunden.“
Sie schüttelte wieder schwer den Kopf.
„Du hast es, glaub’ es mir. Die Erschütterung riß nur den Schmerz wieder auf. Laß einige Tage dahingehen, und auch das ist überwunden. Seh ich aus wie einer, der sich betrogen und belogen fühlt. Sieh doch: ich lächele schon wieder.“
Sie sah immer noch wie durch einen Schleier von Tränen. Aber sie sah, daß er wirklich lächelte, ihr wie ermutigend zulächelte aus seinen guten Augen. Und lächelnd fuhr er fort: