„Ja, Helene, sieh mich nur an! Mit deinen lieben, zagen, zweifelnden Augen. Es wird nicht in Trümmer gehen, ich halte es, mein Glück! Ich lasse dich nicht, Helene! Ich halte dich, ich zwinge dich. Man zwingt nicht nur mit Gewalt: Liebe und Geduld, Geduld und Liebe sind meine Waffen. Und ich werde siegen!“

Elftes Kapitel

Martha und Merivaux saßen im Wohnzimmer sich gegenüber.

Es war Ende März, und draußen meldete sich der erste Frühling. Zag noch, wie verschämt, aber ausnahmsweise kalendermäßig. Auch die Truppen hatten bereits Frühling gemacht, zogen fleißig auf den Kreuzberg, früher als sonst; es lag ja außer dem milden Frühlingswehen auch allerlei Unruhe in der Luft. Österreich, hieß es, mobilisierte insgeheim. Man erzählte wieder einmal von scharfen diplomatischen Noten über die Regelung der Verhältnisse in Schleswig-Holstein, über die Erbansprüche des Augustenburgers, denen Bismarck im Interesse Preußens widerstrebte; man erzählte, wie hinter diesen Noten das Verlangen nach einer neuen Ordnung des deutschen Bundes stehe.

Darüber sprachen auch Martha und Gaston.

Er war von einer Truppenübung gekommen, hatte am Halleschen Tor sein Pferd dem Burschen übergeben und war heraufgesprungen, um Helene guten Morgen zu sagen. Aber sie war ausgegangen. Martha meinte, sie müsse bald heimkehren. Da bat er um ein Butterbrot.

Und so saßen sie sich gegenüber; er frühstückte und erzählte allerlei, was die Zeitungen in den letzten Tagen gebracht und was er sonst erfahren hatte. Er sprach sehr lebhaft und war sehr entrüstet über die laue Stimmung in Berlin.

Martha hörte lächelnd zu, bis er plötzlich schwieg und, nun auch lächelnd, meinte: „Ich glaube, beste aller Schwägerinnen, du lachst ganz veritabel über deinen untertänigsten Diener.“

„Das nun gerade nicht, Gaston. Eigentlich freu ich mich nur über dich. Aber, weißt du, merkwürdig kommt’s mir schon vor, wie du dich verändert hast.“

„Ich? Wieso denn?“