„Wo ist Wilhelm eigentlich, liebe Martha?“

„In Warschau. Es schwebt da ein Projekt wegen der Verlängerung der Bahn über die russische Grenze hinaus.“

„Der gute Wilhelm muß viel auf der Eisenbahn liegen.“

„Ja — leider —“

Dann sprachen die beiden schon wieder miteinander. „Wir müssen nächstens in die Ausstellung am Kantianplatz, Helene. Es ist ein wunderschöner Richter dort.“

‚Wofür die sich auch alles interessierten? Musik — Literatur — Malerei — und waren Braut und Bräutigam und saßen da wie die Ölgötzen.

Mochten sie! Was hatte Gaston gesagt? Der gute Wilhelm! Ja ... leicht hatte er’s ja nicht. Aber man hatte es auch nicht leicht, so viel allein mit den großen Jungens, die Vaters Hand noch so sehr bedurften. So viel allein! Beinahe so viel allein, wie früher in Rohlbeck. Aber es ging wohl nicht anders. Zuerst war der Verdienst an der Bahnkonzession wie unerschöpflich erschienen. Du mein Gott! Nachher war er zum größten Teil vorgegessenes Brot gewesen. Als Tante Marianne bezahlt war und die vielen Wechsel eingelöst waren, da blieb nicht arg viel. Sparen konnte Wilhelm ja nicht — leider —‘

‚Leider —‘

Und da ging die Tür, und Omama kam herein, auf ihren Stock gestützt. Die schwarzen Locken pendelten rechts und links von den Schläfen, und sie hatte wieder nur auf einer Wange Rouge aufgelegt. Aber sie lachte vergnügt: „Ich muß doch einmal nach unserem lieben Brautpärchen sehen ... Was das Lenchen heut wieder für verliebte Augen macht ...“ — —

Gaston hätte wohl vor Glück gejauchzt, wenn aus Helenes Augen ihm einmal die Liebe entgegengeleuchtet haben würde. Aber sie blieb gemessen und kühl. Sie wehrte sich nicht mehr, sie trotzte nicht mehr, sie weinte nicht mehr. Sie schien ganz ruhig geworden nach dem einen letzten großen Sturm um die Jahreswende.