Dann gingen sie langsam weiter und um das Wasser herum. Mit dem leichten Plaudern war’s freilich vorbei. Er hatte ihre Hand wieder in seinen Arm gezogen, sprach von seinem alten Vater, sprach dann davon, daß er nun eine Wohnung mieten wollte. „Ich hab immer noch gezögert, denn man hat mir angedeutet, daß ich Adjutant bei der Inspektion werden soll. Dann brauchten wir nicht so weit hinaus zu ziehen, in die häßlichste Gegend Berlins. Ich möchte dich so gern in ein recht, recht hübsches Heim führen, Helene.“

Plötzlich blieb sie wieder stehen, sah zu Boden, sah dann auf: „Du bist ein rechter Wagehals?“

„Wieso denn?“

„Daß du es mit mir wirklich versuchen willst. So unliebenswürdig wie ich bin, so apathisch oft ...“

Er lachte. „Ach geh doch! Was sind denn das für Dummheiten. Laß nur den Sommer kommen. Laß uns nur erst auf meiner lieben kleinen Terrasse am See sitzen, wir beide ganz allein. Oder im Boot auf der blauen Flut. Oder in die Berge fahren, höher, immer höher! Wenn ich dich nur erst ganz für mich habe! Ich will dir schon die Falte da aus der Stirn küssen — die da!“

Und mit einem Male hatte er sie umfaßt, die Hutkrempe weit zurückgebogen und küßte sie wirklich gerade zwischen die Brauen. Ganz wenig nur wehrte sie sich, gar nicht fast. Da küßte er sie auch auf die Lippen, und heut hielt sie still. „Der Frühling —“, sagte er und lachte ihr in die Augen.

Wieder gingen sie weiter, den schmalen Fußweg zur Rousseauinsel.

„Also Anfang August!“ meinte er froh. „Dann müssen wir in den ersten Septembertagen zurück sein. Das Manöver schenkt der König von Preußen auch den glücklichsten Leuten nicht. Alles freilich nur, wenn es nicht Krieg gibt.“

„Krieg ... was ihr alle immer von Krieg redet. Wilhelm hat auch weiter nichts im Sinn.“

„Bedenklich genug sieht’s aus, Helene. Gestern hieß es bei uns schon, die Reserven sollten eingezogen werden. Nachher war’s nur ein Gerücht.“