Helene stand auf dem Podium. Im hellen Licht.

Sie mußte überraschend schön wirken in ihrem Brautkleid, zu dem sie ein paar mattblaue Schleifen genommen hatte und einen Kranz von weißen Rosen in das rostbraune Haar. Vielleicht hatte es sich herumgesprochen, daß die neue Erscheinung, die Schülerin der gefeierten Frau Harriers, die jungvermählte Gattin eines Offiziers sei, der im Felde stand. Vielleicht war’s auch nur Neugier. Es ging ein leises Rauschen durch den Zuschauerraum.

Einen Moment stand sie noch in Verwirrung. Verneigte sich tief.

Nun klangen die ersten Akkorde —

Da war ihre Befangenheit plötzlich verschwunden, mit einem Male. Sie setzte ein.

Das Uhlandsche Lied sang sie, nach der Komposition von Franz Schubert:

„Die linden Lüfte sind erwacht,

Sie säuseln und weben Tag und Nacht —“

Es war merkwürdig, sie staunte selbst. Noch nie vielleicht war sie so gut disponiert gewesen wie im diesen Augenblicken. Sie fühlte, wie sie ihr Organ meisterte, wie es sich ihrem Willen fügte gleich einem gehorsamen Instrument. Fühlte, wie sie von Atemzug zu Atemzug freier wurde, wie ihre Stimme sich immer weiter entfaltete —

„Es blüht das tiefste, tiefste Tal,