Nun armes Herz vergiß der Qual,

Nun muß sich alles, alles wenden.“

Rauschender Beifall tönte herauf, als sie geendet. Und plötzlich, während sie sich verneigte, kam wieder die große Verwirrung über sie. Keine Angst, aber etwas Beschämung.

Noch immer wollte der Beifall nicht aufhören. Noch einmal mußte sie sich verneigen.

Aber als sie sich nun wieder aufrichtete und sich zurückziehen wollte, unterschied sie zum ersten Male in der vordersten Reihe ein paar bekannte Gesichter. Omama neben Wilhelm — Martha —

Aber wer war denn das? Zwischen Mutter und der Schwägerin?

Kantor Flehr saß da mit den gefalteten Händen im Schoß, die blauen Augen leuchteten aus dem lederfarbenen Gesicht wie in Entzückung zu ihr hinüber —

Das war sicher Marthas Werk! Keine größere Freude hätte sie ihr an diesem Abend bereiten können! Und sie neigte sich zum drittenmal und nickte ihm zu, nur ihm unter all den Hunderten.

„Das haben Sie brav gemacht, Helene“, meinte dann Frau Harriers. „Brav ist eigentlich zu wenig. Es soll auch nur den Zoll für Ihre Tapferkeit ausdrücken. Wenn ich so an mein erstes Debüt zurückdenke — wie eine Heldin haben Sie sich benommen! Aber sagen Sie, wer ist denn der alte wunderliche Mann neben Ihrer Frau Schwägerin, der Sie angestaunt hat wie ein Wunder —“

„Mein erster Lehrer —“